Samstag, 17. September 2022

BAG-Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Kein Fortschritt, aber auch kein Drama

Dass die Arbeitgeber dieses Urteil ablehnen, darf natürlich nicht verwundern. Ihre Kritik ist allerdings auch berechtigt. Im Zeitalter des hybriden Arbeitens, in dem die Trennung zwischen Arbeitsort und Arbeitszeit immer mehr zunimmt, die Arbeit im Home-Office angesichts der Corona-Pandemie sogar proklamiert wird, mutet es in der Tat nicht mehr zeitgemäß an. 
Hinzu kommt, dass die Kontrolle der Arbeitszeit in der Regel nichts über die in dieser Zeit erzeugte Leistung aussagt.

Samstag, 27. August 2022

Führen Frauen anders?

Gibt es einen weiblichen Führungsstil?

 "Natürlich nicht!" antwortet auf diese Frage Frau Nikutta, ihres Zeichens Vorstandsvorsitzende der Güterverkehrssparte DB Cargo, in einem Interview der ZEIT. Wenn man das Interview liest, gaubt man ihr aufs Wort, jedensfall dann, wenn man der schon fast zum Klischee gewordenen Ansicht zuneigt, Frauen würden anders, eben weiblicher führen. Wobei meistens diffus bleibt, was genau damit gemeint ist, verständnisvoller, empathischer, mitarbeiterorientierter? Im Hintergrund schwingt dabei oft die Anmutung mit, dass besser geführt würde, wenn mehr Frauen führen.

Freitag, 19. August 2022

Warum führen Unternehmen Mitarbeiterbefragungen durch?

Wissen die Führungskräfte nicht, wie die "Stimmung" ist oder ob die Leute engagiert sind ?

Normalerweise müsste man ja davon ausgehen, dass die Chefin weiß,  wie es um die Stimmung in ihrer Abteilung bestellt ist, ob die Leistung stimmt, ob es Unzufriendenheit oder gar Konflikte gibt. Viele Vorgesetzte werden auch davon überzeugt sein, dass sie über die Situation in ihrem Team Bescheid wissen.
Warum gibt es dann Mitarbeiterbefragungen? Und warum werden diese meist anonym durchgeführt? Kann man mit dem Chef doch nicht über alles offen reden oder gar Kritik üben? Oder traut die Unternehmensleitung ihren Führungskräften nicht zu, dass sie richtig führen und muss sie auf diese Weise nochmal kontrollieren?

Montag, 11. Juli 2022

Was hat die Amtssprache Englisch mit dem Fachkräftemangel zu tun?

Themen, die in aller Munde sind, erzeugen bei Politikern seltsame populistische Blüten. So taucht plötzlich in den Medien die Forderung auf, in den Amtsstuben solle Englisch gewissermaßen als Pflichtsprache eingeführt werden.

Dahinter steckt wohl die Annahme, dass die Beschäftigten in den Ämtern den Arbeitssuchenden aus anderen Ländern schneller und besser helfen könnten, wenn sie ordentlich Englisch sprechen. 

Diese Forderung erweist sich aber schon bei oberflächerlicher Betrachtung als überflüssig bis unsinnig. Um die Beschäftigungsmöglichkeiten von Menschen mit Migrationshintergrund zu fördern müssten in erster Linie die entsprechenden Regelungen und Prozeduren vereinfacht werden, insbesondere für AsylbewerberInnen. Das wird ja offensichtlich in Angriff genommen. 

Dann brauchen wir ja nicht nur qualifizierte Fachkräfte, sondern auch Arbeitskräfte, die in den verschiedensten Tätigkeiten angelernt werden können. Und die sprechen beileibe selbst nicht alle Englisch. Die brauchen kundige und geduldige Lotsen, die ihnen helfen mit der deutschen administrativen Infrastruktur zurechtzukommen. Insbesondere in der Anfangszeit wird man ohne ausreichende Übersetzungskapazitäten nicht auskommen. 

Aber vorher muss noch die Frage beantwortet werden, wie man Amtsdeutsch in verständliches Amtsenglisch übersetzt.


Montag, 27. Juni 2022

Musk verlangt von Managern 40 Stunden Präsenz im Büro

Home Office ist immer noch Quelle von Misstrauen

Es müsste in den Ohren all derjenigen, die das Zeitalter der Digitalisierung auch als den Beginn einer besseren, neuen Arbeitswelt verkünden, wie Hohn klingen, wenn ausgerechnet Elon Musk in seinem Unternehmen wieder zu Arbeitsbedingungen wie in den 50er Jahren zurück will.
Technologischer Fortschritt bedeutet nicht, dass sich auch die Arbeitsbedingungen quasi automatisch verbessern. Das war im übrigen noch nie so. Man denke nur an die Arbeitszeitverkürzungen, die phasenweise erkämpft werden mussten.
Gerade im Zusammenhang mit Digitalisierung häuften sich wieder die Prophezeiungen von der Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Die lästigen Routinetätigkeiten nimmt uns die Technik ab und wir haben wieder mehr Zeit für die wichtigen Dinge, die Kunden zum Beispiel oder die kreativen Tätigkeiten.
Dieses Narrativ hat noch nie gestimmt. Produktivitätsfortschritte werden sofort wieder abgeschöpft und keinesfalls an die Mitarbeitenden weitergegeben.
Und auch das Home Office ist weiterhin Quelle von Misstrauen. Da wird sogenannte Kontrollsoftware entwickelt, um zu beobachten, was denn die Beschäftigten zu Hause oder sonstwo so treiben.
Und wenn Musk so etwas anfängt, darf man befürchten, dass bald noch andere folgen.
Nun wird die Home-Office-Schraube nicht mehr zurückzudrehen sein. Musk's Aktion sollte uns aber ein zarter Hinweis sein, dass die Neue Arbeitwelt keineswegs schöner wird, wie die Alte.

Mittwoch, 1. Juni 2022

Demokratie in Unternehmen ?

Ein klares Nein aus einer überraschenden Richtung

"Ich halte sowieso nicht so viel von Demokratie innerhalb von NGOs......NGOs........sind dazu da, dass sie für die Demokratie kämpfen. Das heißt aber nicht, dass sie unbedingt intern demokratisch organisiert sein müssen......wenn sie eine internationale Kampagnen-Organisation führen, ist hundert Prozent Demokratie als Organisationsprinzip hinderlich."
Diese bemerkenswerten Sätze gab Thilo Bode, ehemaliger Chef von Greenpeace und Foodwatch in einem ZEIT-Interview von sich. Man kann dem Mann nur zustimmen. Und was für NGOs gilt, kann man getrost auch auf Unternehmen und viele andere Organsiationen übertragen. Was unterscheidet ein auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen von einer Kampagnen-Organisation? Auch ein Unternehmen muss gewissermaßen kontinuierlich Kampagnen veranstalten, um seine Produkte oder Dienstleistungen erfolgreich zu vermarkten. Bode weist vor allem auf die Schwerfälligkeit von demokratischen Entscheidungsprozessen hin, die der Schnelligkeit und Wirksamkeit einer Kampagne im Weg steht.
Noch etwas ist beachtenswert an seinem Statement. Man muss keinesfalls etwas gegen Demokratie haben, um (basis)demokratische Ansätze in Unternehmen in Frage zu stellen. Eine Organisation, die in einem demokratisch strukturierten Gemeinwesen arbeitet, muss deshalb nicht auch zwingend demokratisch organisiert sein.
Es ist auch nicht notwendig. Beschäftigte können trotzdem wirksam in Entscheidungsprozesse einbezogen werden und hierarchische Organisation ist nicht gleichbedeutend mit autoritärer Führung. Wichtig ist, dass am Ende eine(r) die Verantwortung übernimmt. Die lässt sich nicht demokratisieren.

Samstag, 7. Mai 2022

Warum will das Möbelhaus nichts mehr mit seinen Kunden zu tun haben?

Die Schattenseiten der Digitalisierung 

Onlinebestellung bei einem überregionalen Möbelhaus. Einige Zeit nach der Bestellung teilt das Möbelhaus in einer freundlichen Mail mit, dass sich der Liefertermin verzögert. Die Mail war eine noreply
Mail. Da eine Reise in dem möglichen Lieferzeitraum ansteht unternehme ich den Versuch, die Abwesenheit dem Möbelhaus mitzuteilen, um eine Fehllieferung zu vermeiden. Das Kontaktformular auf der Homepage funktioniert nicht. Anruf bei der Service-Telefonnummer. Bei Fragen zum Liefertermin soll man die Taste 1 drücken. Ein nicht sehr freundliche Mitarbeiterin machte mir ohne längeres Nachfragen klar, dass sie nicht zuständig sei und ich die Taste 4 drücken soll. Diese Taste soll man allerdings drücken, wenn man Fragen zur Rechnung hat. Auch wenn diese nicht der Fall ist, wähle ich beim nächsten Versuch diese Taste. Ich erreiche nur eine Bandansage, dass man meinen Anruf nicht entgegennehme könne. Dann werde ich abgehängt.
Wie soll ich nun dem Möbelhaus mein Anliegen mitteilen? Vielleicht sollte ich einen analogen Brief schreiben?
Auch wenn es viele Online-Anbieter gibt, bei denen der Service besser funktioniert, habe ich doch zunehmend den Eindruck, dass der persönliche Kontakt zum Kunden vermieden werden soll. Oft werden die Kontaktmöglichkeiten in der hinteren Ecke der Homepage angeboten oder ganz durch eine mehr oder minder umfangreiche FAQ-Liste ersetzt. Wenn es eine Hotline gibt, dann scheint die unterbesetzt zu sein und alle MitarbeiterInnen befinden sich zur Zeit des Anrufes in Kundengesprächen.
Man kann ohne Zweifel einen Trend zur Entpersonalisierung von Kundenbeziehungen erkennen. Der Onlinekauf setzt standardisierte Prozesse voraus, doch das muss keineswegs die persönliche Kundenbeziehung wegrationalisieren. Gerade im After-Sales-Bereich ist die von großer Bedeutung.
Bedauerlicherweise macht diese Entpersonalisierung auch nicht vor den Beziehungen zu den Mitarbeitenden Halt. Ich meine damit nicht nur die sogenannten Management-Self-Service-Systeme. Wenn die von Routinevorgängen entlasten, können sie durchaus vorteilhaft sein. Problematischer sind in diesem Zusammenhang die durch die Digitalisierung möglich gewordenen Systeme Leistungskennzahlen zu ermitteln und Leistung zu zu steuern und auch zu überwachen. Man denke nur an die Trackingsysteme, die bei Paketzustellern und auch bei Speditionen zum Einsatz kommen. Was für den Kunden komfortabel aussieht, bedeutet für die betroffenen Beschäftigten oft Leistungsdruck. Der braucht nicht mehr durch gestrenge Vorgesetzte ausgeübt zu werden. Das übernimmt das System.
Auch Führung wird so entpersonalisiert.