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Dienstag, 6. Februar 2024

Notizen aus der Welt des Fachkräftemangels

Erfahrungen mit einem Bewerberportal

Zunächst ist man als Bewerber positiv gestimmt. Das Stellenangebot des Markenartikelunternehmens für die Ausbildungsstelle ist informativ und motiviert sich für diesen Beruf zu bewerben. Auch das Bewerberportal wirkt anwendergerecht. Die Daten aus dem hochzuladenden Lebenslauf werden direkt in die Maske übernommen und ersparen unnötiges Ausfüllen. Doch dann wird auch darum gebeten ein Anschreiben zu laden. Dabei sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass Anschreiben bei Azubi-Bewerbungen kaum aussagefähig und damit wenig zielführend sind. Die Bahn bspw. verzichtet ganz darauf. Natürlich muss auch ein Zeugnis beigefügt werden. Doch warum wird im nächsten Schritt danach gefragt, die Noten für bestimmte Fächer nochmal einzugeben?
Vollends unverständlich - im wahrsten Sinne des Wortes - wird es, wenn gegen Ende der Prozedur eine längere Passage in Englisch erscheint, die wortreich und in überaus politisch korrekten Formulierungen darauf hinweist, dass man die folgende Frage nach dem Geschlecht nur freiwillig beantworten müsse.
Ähnliches kommt dann nochmals bei der Frage nach einer möglichen körperlichen Beeinträchtigung.
Im Stellenangebot selbst preist sich das Unternehmen schwungvoll, wie divers es eingestellt ist.
Warum wird dann überhaupt die Frage nach der Geschlechtszugehörigkeit gestellt, wenn diese für den Beruf eigentlich unerheblich ist? Keinesfalls akzeptabel ist, wenn in einem sonst verständlich formulierten Bewerberbogen plötzlich in ein bürokratisch formuliertes Englisch gewechselt wird. Man kann das für ein Versehen halten - nur müsste es dann schnellstmöglich behoben werden.
Vielleicht können sich ja die zuständigen HR-Leute einmal mit ihren KollegInnen aus der Marketingabteilung zusammensetzen und noch etwas an dem Instrument feilen.


Montag, 15. Februar 2016

Wir sind eine Familie.....

Werden Sie Teil einer der größten Familien Deutschlands.

Mit diesem Satz wirbt die Deutsche Bahn in ihren Stellenangeboten im Netz. Er steht zwar etwas verschämt am Ende des Angebotes, so als könne man selbst nicht so recht daran glauben. Aber selbst so ein großer Laden wie die Bahn hat keine Scheu davor, sich als Familie zu bezeichnen. Dabei stellt alleine schon die Größe der Organisation den Vergleich mit der Familie in Frage. Was treibt Unternehmen in einer Zeit, in der es eine zunehmende Zahl von Singlehaushalten und Ehescheidungen gibt, immer wieder dazu das Bild von der Familie zu bemühen? Welches Familienbild hat man dabei vor Augen? Ein patriarchalisches vielleicht, in dem klar ist, wer der "Vater" ist und welche Rolle er spielt? Oder empfinden sich manche, nach Übernahmen und Fusionen, eher wie eine Patchworkfamilie?
Das für Firmen attraktive am Symbol der Familie scheint wohl das Zusammengehörigkeitsgefühl zu sein, das man damit assoziiert. Aber genau das läßt sich nicht übertragen. Denn es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen Familie und Unternehmen: in ein Unternehmen kann ich aus freier Entsheidung ein- und auch wieder austreten. Und davon machen die Menschen auch immer wieder regen Gebrauch. Von einer Familie kann ich mich lösen oder zu ihr in Distanz gehen, aber richtig los werde ich sie nie. Eine Familie hat auch nicht die Möglichkeit Familienmitglieder "abzubauen" - selbst wenn sie das manchmal gerne möchte. In Familien gibt es keine Kündigungsfristen innerhalb deren man sich von vielleicht unliebsamen oder untauglichen Angehörigen trennen kann.
Also liebe Personalmarketingkollegen, verabschiedet euch von diesem Familiengedudel. Kein einigermaßen selbstbewußter Bewerber (m/w) läßt sich davon beeindrucken. Und wenn euer Vorstand doch noch daran festhält, dann seid bitte auch so konsequent ihn beim nächsten Rationalisierungsprojekt daran zu erinnern.

Mittwoch, 8. Juli 2015

Angewandtes Personalmarketing

Notizen aus dem Bewerberalltag

Es ist Freitagmittag. Die Bewerbung ist online auf den Weg gebracht. Noch am selben Tag meldet sich abends um 19 Uhr telefonisch eine Dame von dem Unternehmen, an das die Bewerbung ging. Sie habe die Unterlage gerade oben in ihrer Mail-In-Box gesehen. Der überraschte Bewerber sieht sich sofort kritischen Fragen nach seinem Lebenslauf ausgesetzt, die ihm allerdings das Gefühl geben, dass die Dame sich in Tat bisher nur eher oberflächlich mit seinen Unterlagen beschäftigt hatte.

Freitag, 26. Juni 2015

"Modernes" Personalmarketing

Was hat sich wirklich verändert?

Der Bewerbungsvorgang ist ein gutes Beispiel um die Auswirkungen der Digitalisierung zu diskutieren und nüchtern zu fragen: Was hat es gebracht? Und zwar für beide Seiten, aus Sicht des Bewerbers und des suchenden Unternehmens.
Die Welt ist unübersichtlicher geworden - für beide. Für den Bewerber, der den Überblick behalten will über die Vielfalt der Angebote auf den verschiedensten Kanälen. Für die Unternehmen, die sich aus dieser Vielfalt hervorheben müssen, um überhaupt gesehen zu werden. Das führt dazu, dass die, die es sich leisten können, - auf beiden Seiten - mehr wie früher die arrogante Zurückhaltung üben und geduldig warten, bis sie angesprochen werden.

Mittwoch, 24. Juni 2015

Erleichtern neue Technologien das Leben?

Einige rückwärtsgewandte Gedanken zu Jobbörsen.

In den letzten Tagen habe ich mal wieder des öfteren in Jobbörsen gesucht. Wenn ich bei Stepstone nur den Filter "Angebot der letzten 24 Stunden" und eine bestimmte Region setze, erhalte ich mehrer hundert Angebote. Und das ist nur eine von mittlerweile etlichen Jobbörsen. Wenn ich als Bewerber breiter aufgestellt bin, kann ich die Filter nicht so eng setzen und muss in mehreren Bereichen suchen. Und das eigentlich täglich. Natürlich erleichtern mir die Börsen die Arbeit und schicken mir Mails mit passenden Angeboten - aber dann muss der Filter wieder passen. Suche ich beispielsweise unter dem Stichwort Social Media, werden mir durchaus passende Angebote angezeigt, aber auch ein Sammelsurium von Stellen, die nicht unbedingt in diese Kategorie passen.