Mittwoch, 25. März 2026

Mein Chef der Algorithmus

Auch Führungsarbeit wird "digitalisiert"

Wenn man darüber nachdenkt, welche Jobs zukünftig durch neue Technologien überflüssig werden, muss man auch die Arbeit von Führungskräften miteinbeziehen - zumindest in gewissen Branchen. Schon heute wird die Arbeit von Paketboten oder sonstigen Kurieren, die irgendetwas ausliefern durch Apps gesteuert. Eine App verteilt die Aufträge, berechnet und gibt die Routen vor, misst die Zeit und weiß immer genau, wo der Fahrer sich befindet.
Dass diese Überwachung von den Betroffenen nicht unbedingt als angenehm empfunden wird, ist nachvollziehbar. Sie sehen sich einem permanenten Leistungsdruck durch ständige Kontrolle ihres Arbeitstempos ausgesetzt und haben oft noch nicht einmal die Chance mit einem leibhaftigen Vorgesetzten zu kommunizieren. Sie haben lediglich das Smartphone als Gegenüber.
Damit nimmt ein Trend kräftig Fahrt auf, der sich allerdings schon lange abzeichnet: die Entpersonalisierung der Führung. Führung war und ist schon immer ein schwieriges Geschäft. Und viele sogenannte Führungskräfte tun sich damit schwer oder sind gar nicht für diesen Job geeignet. Unter anderem deshalb gibt es schon lange Instrumente, die die "Vorgesetzten" bei ihrer Arbeit entlasten sollen: Zielvereinbarungs- und Beurteilungssysteme, um zwei der prominentesten zu nennen. Diese Instrumente haben sich zu Führungskrücken entwickelt, die dazu beigetragen, dass die entsprechenden Fähigkeiten bei den Chefinnen und Chefs verkümmern. Die Folge, diese Tools sind heute aus dem Alltag oft nicht mehr wegzudenken und werden nicht mehr hinterfragt. Sie werden optimiert, anstatt die Führungskompetenzen auszubilden. Die Perspektiven, die die technologische Entwicklung nun anbietet, werden allzu gerne in Anspruch genommen.
In manchen Bereichen scheint das Ziel also schon erreicht: technische Systeme übernehmen Führungsarbeit. Führungskräfte können wegrationalisiert werden. 
Spätestens jetzt sollten all die aufwachen, die noch von "Purpose" und "New Work" reden und sich Gedanken darüber machen, wie wertschätzende Arbeitsbedingungen heute aussehen müssen. Dazu muss man keineswegs die technologische Entwicklung verurteilen. Beide, wertschätzende Führung und moderne Technik, lassen sich durchaus vereinbaren. Die aktuelle Entwicklung erfordert dies geradezu. Wenn es beispielsweise nicht gelingt, in den o.a. Beispieljobs bessere Arbeitsbedingungen zu realisieren, wird diese Arbeit kaum mehr jemand machen wollen.
 
Mehr dazu in: Armin Zisgen, Rettet die Führung, 248 S. -  Als Print- oder E-Book erhältlich überall, wo es Bücher gibt.

Freitag, 20. Februar 2026

Neuerscheinung


 

             

     Armin Zisgen 

   Packungsbeilage 

    ISBN 978-3-565257-01-0 

      140 S. 

      9,99 

 

Diese Packungsbeilage enthält keine Warnungen vor Risiken und Nebenwirkungen. Auch ihren Arzt oder Apotheker brauchen sie nicht zu fragen.

Es gibt Pillen, die muss man einfach schlucken und durch manche Episoden muss man einfach durch. So wie in den Episoden, von denen diese fünf neuen Geschichten erzählen.

 

Erhältlich überall wo es Bücher gibt. 

 

 

Freitag, 30. Januar 2026

Luftnummer

 Eine Abschaffung des Rechts auf Teilzeit dürfte wenig bringen.

Warum wundern Politiker sich eigentlich, dass die BürgerInnen unzufrieden mit ihrer Arbeit sind, zunehmend mit Verdruß reagieren und an die politischen Ränder abtriften? 
Dass sie selbst das Problem sind, scheint offensichtlich vielen von ihnen nicht bewußt zu sein.
Ein schönes Beispiel liefert jetzt wieder die CDU Mittelstands- und Wirtschaftsunion mit ihrem Antrag das Recht auf Teilzeitarbeit abzuschaffen. Da wird mit der entsprechenden medialen Begleitmusik eine Idee in die Welt gesetzt, deren Umsetzung von vornherein unrealistisch ist.
Entsprechend fällt dann die Reaktion aus - mit noch größerem medialen Getöse. Sogar aus der eigenen Partei kommt Widerstand. 
Etwa 23% aller Teilzeitbeschaftigten arbeiten aus familiären Gründen, Kinderbetreuung oder Pflege, reduziert. Wieder andere machen eine Aus- oder Weiterbiludung und können deshalb nicht Vollzeit arbeiten. Es gibt also einen wesentlichen Teil der Beschäftigten, die zumindest temporär keine Möglichkeit haben ihr Arbeitsvolumen aufzustocken.
Im übrigen kann heute schon aus betrieblichen Gründen der Wunsch nach Teilzeit abgelehnt oder zumindest auf betriebliche Belange "zugeschnitten" werden.
Viel wichtiger aber ist, dass diese Aktion zu der aktuell besonders bei konervativen Politikern beliebten "Wir müssen mehr leisten" - Forderung wenig beitragen dürfte. Die Situation der deutschen Wirtschaft dürfte sich dadurch kaum nennenswert verbessern. Ganz abgesehen davon, dass schon auf Grund des Widerstandes aus allen Ecken, die Idee bald sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden dürfte. Was allerdings immer noch die bessere Alternative als ein öffentlich ausgetragener Streit auf diesem Nebenkriegsschauplatz sein dürfte.
Das Risiko besteht jedenfalls, dass die Bürgerinnen und Bürger wieder mit dem Finger auf "die da oben" zeigen und sich bestätigt sehen, dass "von denen doch nichts Vernünftiges kommt".