Ein möglicher Baustein für eine betriebliche Altersversorgung
Die Arbeitszeit ist in der Diskussion. Initiiert von Regierungsseite unter dem der Problemlage nicht gerecht werdenden Motto "Wir müssen mehr arbeiten". Erwartungsgemäß kommt reflexartig die Reaktion von der Gewerkschaftsseite, die den Achtstundentag in Gefahr sieht.
Es besteht die Gefahr, dass wieder einmal eine Diskussion angezettelt wird, die unbestreitbar notwendig ist - das Arbeitzeitgesetz bedarf einer Revision - die aber an einer populistischen Oberfläche bleibt und die Potenziale nicht sieht, die in einer phantasievollen Gestaltung von betrieblicher Arbeitszeit liegen.
Gleichzeitig ist auch eine Reform unseres Rentensystems notwendig. Und hier tut sich eine Schnittmenge auf zwischen Altersvorsorge und Arbeitszeitgestaltung.
Das Lebensarbeitszeitkonto
Dieses Konto kann eine Ergänzung darstellen zu herkömmlichen Konten, wie bspw. Gleitzeitkonten. Das dahinterstehende Prinzip ist einfach: Angefallene Mehrarbeit wird nicht ausgezahlt, sondern auf diesem Konto angespart, um dann später einen früheren Renteneintritt zu ermöglichen, oder eine Altersteilzeitregelung zu finanzieren. Jüngere Mitarbeitende könnten in bestimmten Lebensphasen mehr arbeiten, um später kürzer zu treten.
Das Konto könnte auch für Sabbaticals genutzt werden, oder im Bedarfsfall Kurzarbeit abfedern.
Lebensarbeitszeitkonten haben sich bisher nicht durchgesetzt, weil die Insolvenzsicherungsanforderungen an die zurückgestellte Arbeitszeit hoch sind und auch weil jüngere Mitarbeiter sich schwer tun, Arbeitszeit langfristig zu sparen.
Die Insolvenzsicherung könnte man vereinfachen, indem man die Guthaben auf einem unternehmensübergreifenden Fond ansammelt, der unter dem Dach der Staatsbank KFW verwaltet werden könnte. Eine gewisse Verzinsung des Fondguthabens (zusätzlich zu der Berücksichtigung von Tariferhöhungen) könnte die Attraktivität erhöhen, ebenso wie eine steuerbegünstigte oder gar steuerbefreite Anlage des Zeitguthabens.
Leider weiß ich auch aus eigener langjähriger Erfahrung mit der Gestaltung von Arbeitszeitsystemen, dass sich Arbeitgeber wie Gewerkschaften schwer tun mit der Gestaltung von flexibler Arbeitszeit. Noch schwerer wird es allerdings, wenn den Beschäftigten unterstellt wird, sie arbeiten eh nicht genug und seien zu freizeitorientiert.
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