azmanagerblog - was ist führung?
Freitag, 30. Januar 2026
Luftnummer
Montag, 1. Dezember 2025
"Stillstand bedeutet Rückschritt"
Wie oft haben sie diesen Spruch schon gehört?
Ausgerechnet auf dem Kongress einer deutschen Wirtschaftszeitung war er wieder zu hören. Um welches Thema ging es bei dem Kongress - um Change natürlich. Man könnte darüber lächeln, dass bei einer Veranstaltung, in der es um Change geht, Sprüche geklopft werden, die schon seit Jahrzehnten zu hören sind.
Warum fällt den Change-Predigern nichts Neues ein? Haben sie keine Phantasie mehr?
Wie ist es dann um den Change in deren Organisationen bestellt, wenn schon ihre Präentationen aus dem Management-Museum stammen?
Wohlgemerkt, es geht hier nicht um richtig oder falsch. Auch wenn die Sprüche alt sind, sind sie ja nicht falsch. Sie sind meist so inhaltsleer (s.o.) , dass sie gar nicht falsch sein können. Das ist auch mit einer der Gründe, warum sie ständig wiederholt werden. Sie sind sofort "anschlussfähig" und jeder meint, sie in seine Organisation mitnehmen zu können. Das gilt auch für Aussagen, die durchaus differenzierter klingen, wie die obige Headline.
Wie wäre es stattdessen mal mit ehrlichen Analysen von gescheiterten Tranformationsprozessen?
..mit der fundierten Auseinandersetzung mit der informellen Organisation - die Kollegen von der Organisationssoziologie sind hier gerne behilflich?
..mit der Akzeptanz der Erkennntnis, dass Wandel normaler Bestandteil des Alltags ist und oft keiner großspurigen Projektorganisationen bedarf?
Kurz: etwas weniger lauwarmer Dampf und dafür lernen mit dem wechselhaften Klima des Alltags umgehen.
Und nicht vergessen: Nichts ist so alt, wei das Change-Projekt von zwei Jahren.
Samstag, 26. Juli 2025
"Mein Chef hat keinen Bock mehr"
Nur noch ein Viertel der Führungskräfte fühlt sich im Job wohl
Donnerstag, 29. Mai 2025
Schafft Bayer die Hierarchie ab?
Das könnte man meinen, wenn man die mediale Berichterstattung über ein Projekt verfolgt, das der Bayer Chef Anderson dem Konzern verordnet hat: DSO - Dynamic Shared Ownership (s. auch meinen Post vom 1.8.2025 dazu).
Die ZEIT titelt einen Artikel über das Projekt mit "Er zersägt die Karriereleiter" (Nr.20, 15.5.) Das Rezept des Chefs (!) Bill Anderson: Chefs abschaffen.
Ob dem Texter der Headline die Ironie bewußt war, die in der Zeile steckt?
Nun kann ein derartiger Artikel naturgemäß kein umfassendes und differenziertes Bild eines solchen Projektes zeichnen. Er versucht aber positive wie kritische Stimmen zu Wort kommen zu lassen.
Zwei Hinweise sollte der kritische Beobachter aber schon jetzt aufnehmen:
Das Projekt wurde vom obersten Chef verordnet. Dass die Mitarbeiter künftig eigenverantwortlicher entscheiden sollen, wurden ihnen von der Spitze der Hierarchie vorgegeben. Das bedeutet, auch die Reduzierung der Hierarchie - oder wenn sie denn möglich wäre, ihre Abschaffung - müsste sich die Hierarchie selbst vorgeben. Allein die Tatsache, dass es noch einen CEO gibt, zeigt, dass es ohne Chefs und damit auch ohne Hierarchie nicht gehen wird.
In dem Artikel wird auch erwähnt, dass Bayer einen Standort in Frankfurt schließen wird. Man darf davon ausgehen, dass eine solche Entscheidung nicht von den betroffenen Beschäftigten getroffen wird. Auch sie kommt "von oben" aus der Hierachie.
Die Information, dass die Mitarbeiter sich darüber gefreut haben, einen Pausenraum mit eigenem Budget selbst zu gestalten, entlockt einem allerdings nur ein müdes Lächeln. Derartige Aktionen waren schon in den neunziger Jahren im Zuge der Gruppenarbeitsbewegung gang und gebe.
Also auch hier sollte man, wie immer, wenn von Hierchiereduzierung oder gar -abschaffung die Rede ist, sehr kritisch hinschauen. Lasst uns in ein oder zwei Jahren nochmal draufschauen, was daraus geworden ist.
Dienstag, 15. April 2025
Trump zwingt Unternehmen ihre Bekenntnisse zur Vielfalt aufzugeben
Erreicht er damit das Gegenteil von dem, was er will?
In der Organisationssoziologie wird gerne das schöne Bild von der Vorderbühne und der Hinterbühne benutzt. Auf der Vorderbühne stellt die Organisation sich so dar, wie sie gerne von dem für sie interessanten Publikum wahrgenommen werden möchte. Das unterscheidet sich in der Regel von dem, was sich hinter dieser Bühne abspielt. Dort geht es "um's Geschäft". Dort spielt die informelle Kommunikation eine wichtige Rolle und über deren Kanäle wird entscheidend beeinflusst, was in der Organsiation "wirklich" passiert.
Dass es letztendlich um's Geschäft, sprich, um den Profit, geht, zeigt Trumps Aktion sehr deutlich. Willfährig korrigieren viele Unternehmen postwendend ihre wohlklingenden Diversity-Bekenntnisse, um nicht in den Trumpschen Bannstrahl zu geraten und Aufträge zu verlieren.
Doch man sollte die Hoffnung nicht zu früh aufgeben. Das, was die Unternehmen zunächst machen, ist die Umdekoration des Schaufensters. Die regenbogenfarbige Diversitydeko wird durch allgemeine, unverbindliche Floskeln ersetzt. Da man davon ausgehen kann, - siehe oben - dass schon vorher das schöne Bild auf der Vorderbühne der Realität im Hintergrund nicht so ganz entsprochen hat, braucht das Bemühen um Vielfalt noch keinen allzu großen Schaden zu nehmen.
Entscheidend ist, was tatsächlich getan wird. In Zeiten eines Fachkräftemangels kann es sich kein Unternehmen leisten bei der Personalrekrutierung voreingenommen und vorurteilsbehaftet vorzugehen. Wertschätzende Führung - und das ist die entscheidende Voraussetzung für den Respekt vor den Persönlichkeiten der Mitarbeitenden - kann auch der amerikanische Präsident nicht beeinflussen.
Zumal es dem ja auf die Erzeugung von Bildern ankommt. Also, auch wenn es auf der Vorderbühne den Eindruck vermittelt, mit Diversity sei es erstmal vorbei, in der Alltagspraxis der Organisation kann trotzdem eine wertschätzende Führungskultur herrschen.