Freitag, 13. März 2015

Das HR-Mißverständnis

Prof. Scholz und die grüne Lego-Grundplatte

In seiner aktuellen Ausgabe beschäftigt sich das Magazin brand eins mit dem Thema Führung. Dabei darf natürlich auch ein Klageartikel über das Versagen der HR-Funktion nicht fehlen. In diesem Artikel meldet sich unter anderem auch Prof. Christian Scholz (Universität des Saarlandes) zu Wort, der beobachtet, dass "die Wertschätzung der Personalfunktion eindeutig zurückgeht". Ohne seine Klagen hier im einzelnen zu wiederholen, springe ich direkt zu seiner Schlussfolgerung. Er plädiert eindeutig für die Beibehaltung und Erhaltung der Personalabteilung - was ihm ihm schon positiv anzurechnen ist in einer Zeit, in der manche diese Funktion ganz auf die anderen Unternehmensfunktionen aufteilen wollen. Er stellt sich aber diese "reale Personalabteilung 0.4" nun vor wie die "grüne Lego-Grundplatte, auf der man die unterschiedlichen Kernkompetenzträger aufbauen und verankern kann."
Diese Platte ist sogar für ihn die "Unternehmens-DNS". Auch wenn dieses Bild sehr unpräzise ist, insbesondere wenn man die Frage nach den konkreten Konsequenzen in der Unternehmenspraxis stellt, leistet er damit doch dem großen HR-Mißverständnis Vorschub. Einmal bei den Personalern selbst, die glauben, HR sei tatsächlich diese Grundplatte, ohne die das Unternehmen nicht hält und nicht funktioniert. Und die dann im Alltag ständig merken, dass das nicht realisierbar ist und dann frustriert sind. Dann bei den anderen Unternehmensfunktionen und vor allem bei den Unternehmensleitungen, die zwar hohe Erwartungen an HR formulieren, im Grunde aber nicht wollen, dass sie von dort auch eingefordert werden. Was dann leider auch - und diesen Vorwurf muss man den Personalern schon machen - auch oft genug nicht passiert.
Darum, liebe Kolleginnen und Kollegen, verabschiedet euch von dem Bild, dass ihr die Grundplatte des Unternehmens seid. HR ist eine Funktion im Unternehmen wie andere auch. Das sagt absolut nichts über wichtig oder unwichtig aus. Im Gegenteil, wenn ihr von diesem realistischen Verständnis ausgeht, dann könnt ihr selbstbewußt euer Geschäft betreiben. Dieses Geschäft leitet sich von drei Hauptaktivitäten ab, für die sonst niemand im Unternehmen zuständig ist:
Personalrekrutierung - in einem umfassenden Sinne "Der richtige Mensch zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Job".
Administration rund um Entgeltabrechung - ein Feld, das hohe Professionalität erfordert.
Entgeltgestaltung - was nicht nur Entlohnung bedeutet.
Und was ist mit Motivation und den ganzen Softfacts, von denen immer geredet wird? Hier müsst ihr beherzigen, dass ihr nicht die Führungsersatzabteilung seid. Führen müssen die Führugskräfte selbst. Und wenn ihr dafür sorgt, dass die Richtigen dafür ausgewählt werden und dass die, die das Potenzial dafür haben, richtig vorbereitet werden, dann habt ihr einen guten Job gemacht.



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