Mittwoch, 30. Januar 2013

Führung und Autorität II

Bei manchen Führungskräften gibt es eine ausgeprägte Furcht autoritär zu wirken. Sie tun alles, um mit ihren MitarbeiterInnen "kollegial" umzugehen und vergessen dabei, dass sie auch Führungskräfte, "Vorgesetzte" sind. Bei jungen Führungskräften, die neu in diese Rolle gekommen sind, erlebt man dies und ganz oft in Betrieben des Bildungssystems. Gerade dort kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Führung vielfach als basisdemokratischer Prozess verstanden wird.
So wichtig es ist, die Mitarbeiter einzubeziehen, ihre Meinung, ihren Rat zu hören, insbesondere, wenn sie Fachleute auf einem bestimmten Gebiet sind, letztendlich muß meist eine Entscheidung getroffen werden. Und die wird vom Chef erwartet. Ein häufiger aber auch gravierender Fehler ist, es allen rechtmachen zu wollen. Natürlich ist es erstrebenswert, dass im Team eine gute Stimmung ist und alle mit dem einverstanden sind, was gerade so läuft. Aber das können nur vorübergehende Glückszustände sein. Gerade aber wenn die vorbei sind, zeigt sich wer führen kann. Auch dem Kollegen oder der Kollegin, die mit einer Entscheidung nicht einverstanden sind, zu sagen, dass sie dennoch folgen müssen. Denjenigen, der jeden Mittwoch pünktlich um fünf Uhr geht, weil er zum Training muss, darauf hinzuweisen, dass er auch mal bei entsprechendem Arbeitsanfall so flexibel sein und länger dableiben muss. Das wird bei dem Betroffenen zunächst keine Begeisterung auslösen. Ganz besonders wichtig ist es, bei Fehlern oder Verhaltensproblemen zu reagieren. Das muss mit den Verantwortlichen angesprochen werden. Nicht in der Öffentlichkeit der Abteilung sondern unter vier Augen. Konsequentes Führungsverhalten wird von den Mitarbeitern sehr schnell wahrgenommen und auch erwartet. Über die demotivierende Wirkung von sanktionslosem, inkonsequentem Führungsverhalten sind sich viele Vorgesetzte nicht im Klaren. Die Haltung "Hier kann sowieso jeder machen, was er will." spiegelt keine Motivation wieder.
Das muss alles nicht auf Kosten von Offenheit und Transparenz gehen. Schon gar nicht schließt es das freundliche anerkennende Wort oder die Frage nach dem persönlichen Wohlergehen aus. Es bedeutet auch nicht krampfhafte Distanz zu den Mitarbeitern. Es ist auch nicht immer einfach - aber man kann auch auf diesem Gebiet lernen.