Sonntag, 14. November 2021

Wertschätzung für Pflegekräfte

 Sie fängt bei den Arbeitgebern an

Eine Leasingfirma sucht Pflegekräfte. Im Stellenangebot wird daraufhingewiesen, dass Bewerbungsunterlagen nicht zurückgeschickt werden und dass keine Kosten für Vorstellungsgespräche erstattet werden.
Eine Mitarbeiterin eines mobilen Pflegedienstes in unserer Stadt muss bis zu 35 Pflegepersonen am Tag versorgen.
Zwei Schlaglichter auf die Beschäftigungssituation in der Altenpflege. Es reicht nicht, eine bessere Bezahlung für diese Beschäftigten zu fordern. Zu guten Arbeitsbedingungen gehört auch eine wertschätzende Behandlung der Mitarbeiterinnen. Wenn der potenzielle Arbeitgeber noch nicht einmal bereit ist, Vorstellungskosten zu erstatten, wie mögen dann die sonstigen Arbeitsbedingungen aussehen?
Ganz abgesehen davon stellt sich einem die Frage, wie dieses Unternehmen bei der Knappheit an Pflegekräften überhaupt an Bewerberinnen kommt.
Wenn die Vorgabezeiten für die einzelnen Pflegeaktivitäten so eng sind, dass keine Zeit für ein persönliches Wort bleibt, dann drängt sich der Verdacht auf, dass hier der Profit im Vordergrund steht.
Wenn wir alle bereit sein müssen, für diese Tätigkeiten mehr zu bezahlen, dann müssen auch die Arbeitgeber in dieser Branche bereit sein, für einen wertschätzenden Umgang mit ihren Beschäftigten zu sorgen.

Aktuell erschienen


 Geschichten, die keine Geschichte schreiben, aber ohne die es auch keine Geschichte gäbe.
 Geschichten passieren und sorgen dafür, dass Alltag nicht alltäglich bleibt.

 Überall erhältlich, wo es Bücher gibt.

Freitag, 1. Oktober 2021

Big Brother is watching you

Wie Digitalisierung die Führung verändert

Wenn ich heute beim Getränkeheimdienst - so hieß das in der vordigitalen Zeit - online bestelle, bekomme ich eine minutengenaue Mitteilung, wann meine Getränke geliefert werden. Auch der Paketzusteller teilt mir einen Zeitrahmen mit, wann meine Lieferung zugestellt wird.  
Was für mich als Kunde Komfort sein kann, bedeutet allerdings für die ausführenden Fahrer, dass sie von einem System fast minutiös präzise gesteuert werden. Da sie alle ihre Arbeitsgänge über ein mobiles Terminal abwickeln, liefern sie dem System auch gleichzeitig alle Daten darüber, wie sie ihre Arbeit machen. Wann haben sie Kundenkontakt und wie lange brauchen sie von A nach B? Auch Speditionen arbeiten mit Systemen, die es den Disponenten ermöglichen, die Fahrzeuge auslastungsoptimert zu steuern. Dabei erfahren sie auch nebenbei, wie die Fahrer ihre Strecken bewältigen.

Sonntag, 19. September 2021

Führungsproblem Impfen

Über die Schwierigkeiten "der Politik" zu führen

Eine interessante Fallstudie zu der Frage Wie soll, kann, muss Politik führen? liefert aktuell die Diskussion - oder besser Nicht-Diskussion - um die Impfpflicht. Die Politiker haben sich quer duch alle Parteien sehr früh - zu früh - darauf festegelegt, dass es keine Impfpflicht geben wird. Jetzt, noch dazu im Wahlkampf, kommen sie davon nicht mehr weg. Gerade jetzt zeigt sich aber, dass wir auf einen harten Kern von Menschen stoßen, die sich, auch welchen Gründen auch immer, einer Impfung verweigern und uns damit auch wieder zunehmende Neuinfektionen bescheren.

Mittwoch, 8. September 2021

Was ist aus New Work geworden?

Zum Tod von Frithjof Bergmann

Ich will dem Haufe Verlag keinen Hang zum Zynismus unterstellen. Am 3.9. veröffentlichte er in seinem Personal-Newsletter einen Nachruf auf den New Work Vordenker Bergmann. Einen Tag zuvor erschien an selber Stelle das New Work Barometer 2021. Ein - wenn auch sicher zufälliges - aber dennoch bemwerkenswertes Zusammentreffen.
Wenn Herr Bergmann dieses Barometer noch zur Kenntnis bekommen hätte, müsste er gramerfüllt verstorben sein. Wurden den Befragten im Rahmen dieser Untersuchung doch vier verschiedene Definitionen von New Work vorgelegt, unter anderem auch das "ursprüngliche New-Work-Verständnis" von Bergmann. Dieses landete allerdings auf dem letzten Platz. Auf den ersten Platz kam ein Verständnis, "dass es sich um Massnahmen handelt, die auf das psychologische Empowerment der Mitarbeitenden abzielen; also dem Erleben von Selbstbestimmung, Einfluss, Bedeutsamkeit und Kompetenz".

Sonntag, 22. August 2021

Wie vermeide ich Verantwortung?

Die Politik liefert ein neues Stichwort für das Management-Lexikon: Fehleinschätzung

Die Technik ist nicht neu, aber das war noch nie ein Kriterium, um als Management-Mode geeignet zu sein. Die Politik, kann uns mit der Fallstudie "Afghanistan" ein Beispiel liefern, das sich gut für Management-Lehrbücher eignen könnte: Stichwort "Fehleinschätzung" - Wie nicht-erklärt man ein Desaster.

Freitag, 13. August 2021

Was Digitalisierung mit Sicherheit nicht bringt

Ist von den Segnungen der Digitalisierung die Rede, darf ein Narrativ nicht fehlen. So ist beispielsweise in einem Beitrag (www.humanresourcesmanager.de, 5.8.) über eine Prozessautomatisierungssoftware zu lesen, dass diese Software die Beschäftigten von "repetitiven und damit auch stupiden Aufgaben befreit" und sie "die dadurch gewonnene Zeit....dafür nutzen können, sich auf ihre Kernkompetenz zu konzentrieren und dabei Aufgaben zu erledigen, die ihnen Spaß machen und sie damit zufriedener machen."

Solche oder ähnliche Sätze kann man im Zusammenhang mit Digitalisierung immer wieder lesen. Die Technik befreit uns von Routinetätigkeiten und wir können dann endlich kreativ werden. Gleichzeitig aber ist zu hören und zu lesen, dass durch die Digitalisierung wahrscheinlich - genau kann man das eh noch nicht sagen - viele oder sogar dramatisch viele Arbeitspläze verloren gingen. Schon bei flüchtigem Nachdenken müsste man eigentlich merken, dass diese beiden Prognosen nicht so recht zusammenpassen. Tatsächlich hat technischer Fortschritt noch nie dazu geführt, dass die dadurch gewonnene Produktivitätssteigerung den Beschäftigten "geschenkt" wurde, damit die mehr Zeit für das haben, was ihnen Spaß macht.

Die Erhöhung des Spaßfaktors bei den Arbeitnehmer*innen war noch nie Ziel von Rationalisierung. Dabei geht es nur um Kostensenkung und Ergebnisverbesserung. Die Produktivitätssteigerung wird sofort abgeschöpft und das Outputziel erhöht. Woher sollen denn sonst die Arbeitsplatzverluste kommen?

Das spricht natürlich nicht gegen technischen Fortschritt. Nur sollte man dessen Konsequenzen realistisch einschätzen. Das gilt besonders für die Digitalsierung.