Wie erklärt sich eigentlich der Widerspruch zwischen dem aktuell immer wieder beklagten Fachkräftemangel und der für die Zukunft der Arbeit propagierten Erwartung, dass man im von Projektarbeit geprägten digitalen Zeitalter bereit sein muss für häufig wechselnde Projektarbeit unter Umständen sogar mit Phasen freiberuflicher Arbeit?
Gehen die Trendgurus davon aus, dass in der Arbeitswelt 4.0 ein Überbedarf an Fachkräften herrscht? Und diese Wissensarbeiter bereit sind sich die Arbeitsbedingungen nach Belieben diktieren zu lassen? Womit wir beim nächsten Widerspruch wären. Gerade die Wissensarbeiter, so heißt es immer wieder, können die Bedigungen "auf Augenhöhe" aushandeln und sich aussuchen, wie und wo sie arbeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die dann bereit sind als digitale Nomaden für unsichere Zeitjobs um den Globus zu ziehen.
An einem Trend dürfte sich doch so schnell nichts ändern: die Unternehmen werden versuchen, die Fachkräfte, an denen wirklich Mangel herrscht, nach Kräften zu halten.
Dagegen spricht auch nicht, dass insbesondere der Öffentliche Dienst und manche Branchen - z.B. Medien - sehr ausgeprägt mit befristeten Arbeitsverträgen oder Teilzeitverträgen arbeiten. Insofern gibt es tatsächlich eine Zunahme an prekären Arbeitsverhältnissen.
Die gesuchten Kräfte, z.B. Maschinenbauingenieure oder Zerspanungsmechaniker (es sind halt auch nicht immer die Wissensarbeiter) werden bei denen auch nicht anheuern.
Es wird einen Megatrend in der Arbeitswelt geben: den der Ungewissheit.
Es wird eine Zunahme an befristeten oder selbstständigen "Projekttätigkeiten" geben.
Das klassische "feste Arbeitsverhältnis" wird aber keinesfalls aussterben.
Mangelberufe von heute werden möglicherweise morgen keine mehr sein - und umgekehrt.
Ob und wenn ja, wieviele Arbeitsplätze durch Digitalisierung entbehrlich werden, kann heute niemand seriös vorhersagen.
Auch die immer wieder herbeigeschriebene Generation Y hat die Arbeitswelt bisher nicht revolutioniert. Also Vorsicht mit der Ankündigung von Revolutionen.
Aber da die Unübersichtlichkeit und Komplexität zunehmen, wird auch die Zahl der Gurus ansteigen, die immer wieder neue Megatrends prognostizieren.
Sonntag, 25. Februar 2018
Sonntag, 18. Februar 2018
Arbeit 4.0 - Oder wie die Kommunikation immer mehr beschleunigt wird
Kommunizieren mit der Messaging Software Slack soll die Arbeit erleichtern.
"Aber klappt das überhaupt?" fragt DIE ZEIT in ihrer letzten Ausgabe berechtigterweise in einem Artikel über diese Software. Slack funktioniert ähnlich wie WhattsApp nur noch komfortabler und mit etlichen Funktionalitäten, die speziell auf die Bedürfnisse für kleine bis mittlere Unternehmen zugeschnitten sind. Alle Teilnehmer können ständig und in Echtzeit sehen, was die anderen zum gleichen Thema schreiben. Natürlich kann der andere Teilnehmer, der angeschrieben wird, entscheiden, wann er antworten möchte. Aber man muss sich nur mal das Kommunikationsverhalten von WhattsApp-Nutzern anschauen und das in die Leistungssituation eines Unternehmens übertragen, um sich vorzustellen welche Drucksituation dann entstehen kann. Schon bei WhattsApp wird meist reflexartig die ankommende Botschaft gelesen, selbst wenn sie nicht direkt beantwortet wird. Wenn dann noch Mitarbeiter beteiligt sind, die über verschiedene Zeitzonen verstreut sind, ist die Rund-um-die-Uhr-Kommunikation gesichert.Hinzu kommt, dass bei dieser Software offensichtlich die Überwachungsmöglichkeiten von Administratoren sehr ausgeprägt sind.
Die Frage, ob Arbeit dadurch wirklich erleichtert wird, ist also berechtigt. Eine neue Technologie kritisch zu diskutieren, bedeutet nicht sie abzulehnen. Man könnte vor ihrem Einsatz fragen, wie sie die Arbeit erleichtern kann. Diese Frage aber hat eine eher nachrangige Bedeutung. Bei der Einführung neuer Technologien in Unternehmen steht immer die Erhöhung der Produktivität im Vordergrund. Die Arbeitserleichterung für die Beschäftigten wird als Nebeneffekt mitgenommen. Jede neue Maschine erleichtert vordergründig die Arbeit. Sie verdichtet sie aber gleichzeitig auch und trägt damit zur Erhöhung des Leistungsdrucks bei. Das wird auch bei Slack wieder deutlich. So nützlich es ist, die Kommunikation in Organisationen unkomplizierter zu machen, besonders in einem internationalen Umfeld, so wichtig ist es, sich über die Folgen Gedanken zu machen.
Dabei darf eine weitere Frage nicht unter den Tisch fallen: Welche Art von Kommunikation wird hier erleichtert? Wird nur noch der Austausch über digitale Medien gefördert? Werden die Gelegenheiten miteinander zu reden, noch genutzt? Es könnte ja beispielsweise der Grundsatz gelten "Was im persönlichen Kontakt geklärt oder abgestimmt werden kann, wird nicht über Handy oder PC gemacht". Es kommt ja schon vor, dass Mitarbeiter selbst dann elektronisch miteinander kommunizieren, wenn sie im selben Büro sitzen. So kann eine Technologie, die eigentlich der Kommunikation dienen soll, letztendlich zur Isolierung beitragen.
Wenn wir heute schon sehen, wie moderne Kommunikationsinstrumente die Trennung zwischen Arbeitszeit und "Freizeit" aufweichen, so werden Technologien wie Slack diesen Trend weiter beschleunigen.
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Freitag, 26. Januar 2018
Vorstellungsgespräch per Handy
Chatprogramme helfen bei der Personalauswahl
"Wir haben den Lebenslauf schon vor zwei Jahren abgeschafft...in digitalen Berufen sagen die Erfahrung und der Uni-Abschluß wenig über den Erfolg im Unternehmen aus." Persönlichkeit und erfolgreiche Projekte seien wichtiger. So wird eine Personalexpertin von Hub:raum der "Start-up-Schmiede" der Deutschen Telekom in der ZEIT zitiert.Als "alter" Personaler reibt man sich verwundert die Augen. Ist ein abgeschlossenes Studium in einem vertretbaren Zeitrahmen nicht auch ein "erfolgreiches Projekt"? Zeigt sich Persönlichkeit nicht auch im Lebenslauf? Man kann sich ja von einem Chatprogramm, einem sogenannten "Chat-Bot", bei der Personalauswahl helfen lassen. Aber man muss man deshalb die bewährten Instrumente über Bord werfen?
Auch wenn bei Hub:raum darufhingewiesen wird, dass die Entscheidung immer noch der Mensch treffe, auf welcher Grundlage trifft er sie dann? Nur auf den Informationen, die der Bot vorsortiert hat? Zu Recht erwähnt der Artikel das Risiko, dass die Software nicht richtig prorammiert sein könnte und durch eine falsche Auswahl dem Unternehmen sogar schaden könnte, indem durchaus passende Kandidaten durch das Raster fallen.
Was ist denn mit den vielbeschworenen Querdenkern, die in den Unternehmen angeblich so dringend gebraucht werden? Der Einsatz von Chat-Bots zeigt einmal mehr, dass diese Forderung nie so richtig ernst gemeint war. Die Auswahl per Algorithmus wird im Windkanal abgeschliffene Kandidaten ins Unternehmen befördern, keine Persönlichkeiten mit ausgeprägtem Individualismus.
Freitag, 19. Januar 2018
Wie behauptet man sich in kritischen Diskussionen?
Sie müssen sich kritisch gegen die Meinung des Gesprächspartners aussprechen. Wenn es sich aber im weiteren Verlauf erweisen sollte, dass die andere Position sich behauptet - was nicht heißt, dass es die richtige ist - müssen sie die Kunst beherrschen diese Ansicht als ihre eigene zu präsentieren, so als hätten sie sie schon immer vertreten. Geben sie auf keinen Fall dem Diskussionspartner recht, behaupten sie ihre Meinung, aber verpassen sie den Augenblick nicht, wenn sie umschwenken müssen.
Dies gilt selbstverständlich nur, wenn der oder die Diskussionspartner gleichrangig sind. Sitzt ihr Chef mit am Tisch oder ein anderer gar noch höherrangiger Mensch, sollten sie abwarten, was der für eine Meinung vertritt. Retten sie sich mit Allgemeinplätzen über die Runden, solnage bis die Positionen klar sind. Dann folgen sie der Meinung des Herrn Direktors.
Wenn sie das Spiel einigermaßen beherrschen, dann kommen sie gut weiter.
Dies gilt selbstverständlich nur, wenn der oder die Diskussionspartner gleichrangig sind. Sitzt ihr Chef mit am Tisch oder ein anderer gar noch höherrangiger Mensch, sollten sie abwarten, was der für eine Meinung vertritt. Retten sie sich mit Allgemeinplätzen über die Runden, solnage bis die Positionen klar sind. Dann folgen sie der Meinung des Herrn Direktors.
Wenn sie das Spiel einigermaßen beherrschen, dann kommen sie gut weiter.
Sonntag, 14. Januar 2018
Das Verschwinden der Hierarchie
Wird der Traum endlich wahr?
Immer wieder lesen wir, Hierarchien werden flacher oder gar im Zeitalter der Arbeit 4.0 kaum mehr eine Rolle spielen. Zunächst muss man festhalten, dass beide Aussagen in dieser allgemeinen Form Utopien sind und bleiben. Jede Organisation braucht ab einer gewissen Größe eine Hierarchie, wie immer diese ausgeprägt sein mag.Mittwoch, 10. Januar 2018
Tarif-Rituale
Das Weihnachtsfest ist vorbei, doch mit ähnlicher Regelmäßigkeit und vergleichbarer Ritualisierung können wir nun wieder ein anderes Spektakel beaobachten: die Tarifverhandlungen in der Metallindustrie. Zum Start gibt die IG Metall eine exorbitant hohe Forderung mit Trommelwirbel und Fanfaren bekannt. Die Arbeitgeber reagieren mit heftiger Zurückweisung.
Dann starten die Verhandlungen in den regionalen Tarifbereichen. Hinter den Kulissen legen die Regisseure beider Seiten fest, wer die Rolle des Pilotbezirks spielt und damit den maßgeblichen Abschluss vorlegt. Die ersten zwei Runden sind meist völlig umsonst, sie dienen nur der gegenseitigen Beschimpfung. Die IG Metall führt Warnstreiks durch.
Heute war im Regional-Radio beispielsweise eine Reportage von der "Streikfront" bei Porsche zu hören, in der auch der für seine markigen Worte bekannte Betriebsratsvorsitzende zu Wort kam. Als Zuhörer kann einem das Schmunzeln vergehen, wenn man die Einkommensbedingungen der Porschebeschäftigten beispielsweise mit denen von Paketdiensten vergleicht. Aber man (wobei das meist nur geringe Anteile der Gesamtbelegschaft sind) geht für 6% mehr Entgelt mit Trillerpfeifen auf die Straße. Wohl wissend, dass es nachher keine 6% geben wird, sondern man sich "irgendwo in der Mitte" treffen wird.
Aber das gehört zum Ritual. Auch dass die Verhandlungen dann in ein sachlicheres Fahrwasser kommen, bis man sich nach etlichen Runden und durchdiskutierten Nächten in den frühen Morgenstunden auf einen Abschluß einigt. Der wird dann von beiden Seiten, je nachdem, entweder als "gerade noch vertretbar" oder "sachlicher Kompromiß mit Augenmaß" verkauft. Dabei waren gerade die Verhandlungsergebnisse in der Metallindustrie und auch in anderen Branchen in den letzten Jahren in der Tat vernünftige Kompromisse, die bewiesen haben, wie sinnvoll und notwendig Flächentarife sind.
Doch warum müssen diese Rituale sein? Glauben die Gewerkschaften - an die muss man diese Frage zuerst adressieren - wirklich, Ihre Mitglieder würden das Spiel nicht durchschauen? Meinen sie, sie könnten ihre Stärke und ihre Wirkungsmacht vor allem an der Zahl der Warnstreiksteilnehmer deutlich machen? Haben sie es nötig ihre Existenz mit möglichst kämpferischen Tarifverhandlungen unter Beweis zu stellen?
Es ist gut, dass es harte Verhandlungen um Arbeitsbedingungen gibt. Und es ist auch gut, dass es ein Streikrecht gibt. Aber was soll der Theaterdonner? Beide Parteien wissen, dass sie sich einigen müssen - und sie wollen es auch. Warum dann nicht gleich mit der sachlich strukturierten Diskussion beginnen? Das muss die unterschiedlichen Ausgangsposition keinesfalls abschleifen. Und es muss auch nicht in zwei Runden erledigt sein. Verbunden mit einer regelmäßigen Kommunikation nach außen, kann damit die Sinnhaftigkeit von Tarifverträgen wieder überzeugender vermittelt werden und nebenbei wird deren manchmal etwas fehlende handwerkliche Qualität auch etwas verbessert.
Dann starten die Verhandlungen in den regionalen Tarifbereichen. Hinter den Kulissen legen die Regisseure beider Seiten fest, wer die Rolle des Pilotbezirks spielt und damit den maßgeblichen Abschluss vorlegt. Die ersten zwei Runden sind meist völlig umsonst, sie dienen nur der gegenseitigen Beschimpfung. Die IG Metall führt Warnstreiks durch.
Heute war im Regional-Radio beispielsweise eine Reportage von der "Streikfront" bei Porsche zu hören, in der auch der für seine markigen Worte bekannte Betriebsratsvorsitzende zu Wort kam. Als Zuhörer kann einem das Schmunzeln vergehen, wenn man die Einkommensbedingungen der Porschebeschäftigten beispielsweise mit denen von Paketdiensten vergleicht. Aber man (wobei das meist nur geringe Anteile der Gesamtbelegschaft sind) geht für 6% mehr Entgelt mit Trillerpfeifen auf die Straße. Wohl wissend, dass es nachher keine 6% geben wird, sondern man sich "irgendwo in der Mitte" treffen wird.
Aber das gehört zum Ritual. Auch dass die Verhandlungen dann in ein sachlicheres Fahrwasser kommen, bis man sich nach etlichen Runden und durchdiskutierten Nächten in den frühen Morgenstunden auf einen Abschluß einigt. Der wird dann von beiden Seiten, je nachdem, entweder als "gerade noch vertretbar" oder "sachlicher Kompromiß mit Augenmaß" verkauft. Dabei waren gerade die Verhandlungsergebnisse in der Metallindustrie und auch in anderen Branchen in den letzten Jahren in der Tat vernünftige Kompromisse, die bewiesen haben, wie sinnvoll und notwendig Flächentarife sind.
Doch warum müssen diese Rituale sein? Glauben die Gewerkschaften - an die muss man diese Frage zuerst adressieren - wirklich, Ihre Mitglieder würden das Spiel nicht durchschauen? Meinen sie, sie könnten ihre Stärke und ihre Wirkungsmacht vor allem an der Zahl der Warnstreiksteilnehmer deutlich machen? Haben sie es nötig ihre Existenz mit möglichst kämpferischen Tarifverhandlungen unter Beweis zu stellen?
Es ist gut, dass es harte Verhandlungen um Arbeitsbedingungen gibt. Und es ist auch gut, dass es ein Streikrecht gibt. Aber was soll der Theaterdonner? Beide Parteien wissen, dass sie sich einigen müssen - und sie wollen es auch. Warum dann nicht gleich mit der sachlich strukturierten Diskussion beginnen? Das muss die unterschiedlichen Ausgangsposition keinesfalls abschleifen. Und es muss auch nicht in zwei Runden erledigt sein. Verbunden mit einer regelmäßigen Kommunikation nach außen, kann damit die Sinnhaftigkeit von Tarifverträgen wieder überzeugender vermittelt werden und nebenbei wird deren manchmal etwas fehlende handwerkliche Qualität auch etwas verbessert.
Mittwoch, 3. Januar 2018
Das Narrativ lebt weiter.....
Parallel zu meinem letzten Post brachte DIE ZEIT auf ihrer Titelseite unter der Überschrift "Ist es gut, ständig erreichbar zu sein?" einen Pro- und einen Kontra-Beitrag zu dieser Frage, jeweils geschrieben von einem Redakteur mit Führunsgverantwortung. Was lesen wir - fast erwartungsgemäß - unter Pro? "Heute können sie (die Mütter und Väter) Beruf und Familie besser vereinbaren, weil sie nicht offline sein müssen (! - von mir): Sie sind für einige Stunden im Büro, holen ihre Kinder von der Kita ab und setzen sich abends noch ein Stündchen an den Computer."
Ach, ist das toll. Man freut sich regelrecht darauf abends noch in Ruhe in beruflicher Mission an den Computer zu gehen. Und der Pro-Autor setzt noch eins drauf: "Entgrenzung ist für sie ein anderes Wort für Freiheit."
Kein Wort in seinem ganzen Artikel davon, dass Arbeit heute immer mehr verdichtet wird, Aufträge immer schneller erledigt werden müssen und das Pensum immer größer wird. Vati oder Mutti haben oft gar keine andere Wahl als die Präsentation abends noch fertig zu machen, weil sie den Auftrag erst per Handy auf dem Weg zur Kita erhalten haben aber am nächsten Morgen schon liefern müssen. Aber vielleicht ist die Personalbemesung bei der ZEIT noch so großzügig, dass das kein Problem darstellt. Oder die Journalisten sind Zeitdruck und entgrenzte Arbeitszeit eh gewöhnt.
Wenn die Beschäftigten nicht mehr die Wahl haben, ob sie abends nochmal dienstlich an den PC gehen oder sich lieber auf die Couch legen, wird es problematisch. Wenn Flexibilisierung mit einer Erhöhung des Arbeitsvolumens einhergeht, wird sie zur Belastung und ihre Vorteile schlagen in Nachteile um.
Nicht unterschätzen sollte man auch die zunehmende Aufhebung der Trennung von Arbeitsort und Privatort. Beschäftigte klagen über das Fehlen von Rückzugsorten. Zum Abschalten gehört auch räumliche Distanz zur Arbeitsstelle.
Karl Marx hat schon vom Reich der Notwendigkeit und vom Reich der Freiheit gesprochen. Diese beiden Reiche lassen sich nicht vereinigen. Genauso wie sich der Gegensatz von Kapital und Arbeit nicht aufheben läßt.
Ach, ist das toll. Man freut sich regelrecht darauf abends noch in Ruhe in beruflicher Mission an den Computer zu gehen. Und der Pro-Autor setzt noch eins drauf: "Entgrenzung ist für sie ein anderes Wort für Freiheit."
Kein Wort in seinem ganzen Artikel davon, dass Arbeit heute immer mehr verdichtet wird, Aufträge immer schneller erledigt werden müssen und das Pensum immer größer wird. Vati oder Mutti haben oft gar keine andere Wahl als die Präsentation abends noch fertig zu machen, weil sie den Auftrag erst per Handy auf dem Weg zur Kita erhalten haben aber am nächsten Morgen schon liefern müssen. Aber vielleicht ist die Personalbemesung bei der ZEIT noch so großzügig, dass das kein Problem darstellt. Oder die Journalisten sind Zeitdruck und entgrenzte Arbeitszeit eh gewöhnt.
Wenn die Beschäftigten nicht mehr die Wahl haben, ob sie abends nochmal dienstlich an den PC gehen oder sich lieber auf die Couch legen, wird es problematisch. Wenn Flexibilisierung mit einer Erhöhung des Arbeitsvolumens einhergeht, wird sie zur Belastung und ihre Vorteile schlagen in Nachteile um.
Nicht unterschätzen sollte man auch die zunehmende Aufhebung der Trennung von Arbeitsort und Privatort. Beschäftigte klagen über das Fehlen von Rückzugsorten. Zum Abschalten gehört auch räumliche Distanz zur Arbeitsstelle.
Karl Marx hat schon vom Reich der Notwendigkeit und vom Reich der Freiheit gesprochen. Diese beiden Reiche lassen sich nicht vereinigen. Genauso wie sich der Gegensatz von Kapital und Arbeit nicht aufheben läßt.
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