Freitag, 15. Januar 2016

Das Märchen vom Zeitgewinn

Normalerweise spielen Märchen immer in der Vergangenheit. Das hat den Vorteil, dass man direkt erkennt, dass es sich um eine Märchen handelt. Schwieriger ist das mit Geschichten, die in der Zukunft spielen. Die kann man schlecht als Märchen bezeichnen, weil man immer damit rechnen könnte, dass das, wovon sie erzählen, auch tatsächlich eintritt.
In einem großen Interview mit der ZEIT antwortet der Telekom-Chef Höttges auf die Frage, worauf er sich am meisten freut, wenn er an die Zukunft denkt: "Ich freue mich, dass wir mehr Zeit für Dinge haben werden, die uns wichtig sind, weil wir uns entlasten können von Dingen, die uns lästig sind." Im weiteren folgt dann die klassische Begründung, mit der derartige Behauptungen immer untermauert werden: "Die klassischen physischen Arbeiten werde auf lange Sicht komplett durch Maschinen erledigt werden.....Darüberhinaus werden auch Routinetätigkeiten, die Denkleistung erfordern, durch Software und Computer wahrgenommen. Das wird uns viel Zeit schenken...." Im weiteren Text freut er sich auch auf medizinische Geräte, "die die Pflegearbeit erleichtern und dafür sorgen, dass mehr Zeit von Menschen für Menschen bleibt."
Fürwahr, eine schöne Geschichte. Die Technik läßt den Traum von Karl Marx, aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit umzuziehen, wahr werden. Doch Altvater Marx würde sich im Grabe rumdrehen, wenn er diese Sprüche mit der aktuellen Realität vergleicht.
Hören wir nicht immer wieder von einer zunehmenden Zahl von Burn-Out-Erkrankungen? Klagen nicht immer mehr Beschäftigte über die ausufernde Erreichbarkeit durch Handy oder Mail? In einer aktuell veröffentlichten Umfrage des Personaldiensteisters Orizon fühlen sich zwar 79,1% der Befragten an ihrer Arbeitsstelle wohl, 48,9% klagen jedoch über hohe  und sehr hohe körperliche Belastungen und sogar 69% über hohe und sehr hohe psychische Belastungen. Insbesondere die 30-39-Jährigen fühlen sich sehr starken Belastungen ausgesetzt. Das Handelsblatt beschäftigte sich in seiner letzten Freitagsausgabe in einem mehrseitigen Themenschwerpunkt mit Achtsamkeit und bewussterem Leben. Seminare und Ratgeber, die sich mit diesen Themen beschäftigen, finden regen Zuspruch.
Es ist ja bekannt, dass Unternehmensleitungen selektiv mit positiven Informationen versorgt werden und diese irgendwann auch nicht mehr hinterfragen. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass Herr Höttges in seinem Unternehmen nicht jeden technischen Fortschritt nutzt, um damit eine Produktivitätssteigerung zu erreichen. Wo immer es in der Vergangenheit die Gelegenheit gab, durch eine neue Technologie einen Rationalisierungseffekt zu erzielen, wurde sie genutzt. In jedem Unternehmen gilt die Devise, mehr Output bei gleicher - oder wenn mögliche sogar geringerer - Zahl an Beschäftigten. Wo also soll der Zeitgewinn herkommen? Im Gegenteil, die Grenzen zwischen Privat- und Arbeitsspähre verschwimmen zunehmend. Gerade Unternehmen, die im digitalen Sektor tätig sind, fördern diesen Trend bewußt. Die Zeit, die uns eine neue Technologie schenken könnte, wird sofort wieder mit Aufgaben belegt ohne dass wir überhaupt die Möglichkeit haben, zu fragen, was uns wichtig ist. Die Frage und die Suche nach Achtsamkeit und bewussterem Leben ist ein Hinweis darauf, dass uns oft die Orientierung auf das fehlt, was wichtig für uns ist.
Bisher jedenfalls war die Geschichte vom Zeitgewinn durch moderne Technologien ein Märchen. Ich fürchte, das wird auch in Zukunft so bleiben.

Mittwoch, 13. Januar 2016

Arbeitsverhältnisse "auf Augenhöhe"

Bei den Beschäftigten unter 35 Jahren arbeiten 27,9% in einem "atypischen" Arbeitsverhältnis - befristete oder Teilzeitjobs, Zeitarbeit oder Minijobs. (Umfrage DGB) Bei den unter 25-Jährigen sind es sogar 46,4%.
Für den vielzitierten Fachkräftemangel spricht das gerade nicht.
In den wohlklingenden Beschreibungen der Arbeit in der Zukunft ist doch oft die Rede davon, dass die Beschäftigten selbsbewußt ihre Arbeitsbedingungen mit Ihren Chefs "auf Augenhöhe" aushandeln. Wenn man sich die aktuelle Situation anschaut, kann man sich nur schwer vorstellen, wie solche Träume wahr werden sollen.

Montag, 4. Januar 2016

Fürchtet euch nicht!

Waren sie an Weihnachten wieder einmal in der Kirche? Etwas Christmette muss ja schon sein - gehört einfach dazu. Dann haben sie sicher noch in Erinnerung - wenn sie nicht in Gedanken woanders waren - dass in der Weihnachtsgeschichte die Engel den Hirten erscheinen und ihnen zurufen: "Fürchtet euch nicht!"
Ist ihnen dabei der Gedanke gekommen, dass dieser Ruf auch ihnen gelten könnte? Wahrscheinlich schütteln sie jetzt vor Unverständnis den Kopf. Wovor sollten sie sich fürchten?
Prima, dann gehören sie schon mal nicht zu denen, die sich vor den Folgen des Flüchtlingszustroms fürchten, Nach meinem Eindruck ist das bei vielen, wenn auch unbegründet und diffus, der Fall. Dann verspüren sie bisher auch keine Furcht vor möglichen terroristischen Anschlägen. Ich kenne Leute, die überlegen, ob sie noch gefahrlos eine Kreuzfahrt im Mittelmeer machen können.
Wie sieht es dann im Job aus? Keine Angst, dass sie ihr Budget im nächsten Jahr so einhalten können, wie sie es geplant haben? Sie sind voller Zuversicht, dass sie alle Zielvorgaben für 2016 erreichen? Um ihren Job selbst müssen sie sich erst recht keine Gedanken machen? Sie sind auch sicher, dass es im nächsten Jahr mit der ersehnten Beförderung klappt? Sie fürchten auch nicht, dass sie nicht wieder den geplanten Urlaub verschieben müssen? Das schleichende Gefühl, dass der Druck noch mehr zunehmen könnte, macht ihnen keine Sorgen? Und wie sieht es mit möglichen Veränderungen im Unternehmen aus? Stellt sich bei ihnen keine Beklommenheit ein, wenn sie an den neuen Chef, die unbekannten Kollegen oder den ungewohnten Arbeitsplatz denken?
Die ZEIT führt uns in einem ganzseitigen Artikel unter derselben Überschrift den früheren amerikanischen Präsidenten Roosevelt als Beispiel vor. Der rief seinen Landsleuten bei der Amtseinführung 1933 zu: "Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst." Und das in einer verglichen mit unserer heutigen Situation ungleich schwierigeren Lage. Roosevelt, offensichtlich ein Mann voll Optimismus und guter Laune, setzte den New Deal in Gang, der als große Wirtschafts- und Sozialreform in die Geschichte eingegangen ist.
Können wir daraus etwas lernen? Zuerst das, dass wir uns bewußt werden, wovor wir uns möglicherweise fürchten und warum. Es bringt uns nicht weiter und trägt nicht zur Problemlösung bei, vor uns selbst und vor anderen den starken Mann - oder die starke Frau - zu geben und so zu tun als sei alles easy. Dann können wir das, was auf uns zukommt, realistischer einschätzen und mit Optimismus und Zuversicht angehen. Das ist etwas anderes, als immer den Strahlemann zu spielen und Probleme wegzulächeln. Es ist aber auch etwas anderes, als furchtgetrieben zu handeln. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Entscheidungen unter Angst sind schlechte Entscheidungen, weil die Phantasie eingeschränkt wird. Optionen geraten aus dem Blick. Wer mit Optimismus und Zuversicht entscheidet, wagt mehr. Er versucht nicht alle Eventualitäten einzubeziehen und alles mit allen abzustimmen. Er hat aber auch den Mut einen Irrtum einzugestehen und es wieder neu zu versuchen. Gerade in Zeiten zunehmender Komplexität ist das eine wohltuende Eigenschaft.
Das ist auch der Kern der Weihnachtsbotschaft, der für uns alle gilt: Fürchtet euch nicht.
In diesem Sinne wünsche ich ihnen einen guten Start ins neue Jahr.

Sonntag, 20. Dezember 2015

Das Endes des Acht-Stunden-Tages...

...wurde vom Präsidenten des Arbeitgeberverbandes BDA gefordert. An einem Tag sollte ein Arbeitnehmer zwölf Stunden arbeiten können, dafür am nächsten Tag dann nur vier. Diese Flexibilität wünschen sich wohl viele Arbeitgeber. Und der Wunsch ist auch durchaus berechtigt. Wenn wir uns als Verbraucher über lange Ladenöffnungszeiten freuen und im Internet sogar ohne jegliche Zeitgrenzen aktiv sein können, dann kann man für seine eigene Arbeitssituation kaum auf eine fest begrenzte Arbeitszeit hoffen oder diese sogar beanspruchen. Auch angesichts der überkommenen Regeln im Arbeitszeitgesetz mag der Wunsch nach mehr Arbeitszeitflexibilität berechtigt sein. Diese passen in der Tat nicht mehr in die aktuelle Arbeitslandschaft.

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Pünktlichkeitsprämie für Bahnchef

Macht das Sinn?

Laut Presseberichten soll ein Teil der variabalen Bezüge von Bahnchef Grube von der Pünktlichkeit der Züge  abhängen. Die Bahnkunden werden sich über diese Mitteilung sicher freuen und hoffen, dass sie auch Wirkung zeigt, wenn sie denn stimmt. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Meldung taugt sie in jedem Fall für eine grundsätzliche Diskussion der Sinnhaftigkeit solcher Prämien. Der Glaube an die Wirkung von zielorientierten, variablen Entgeltbestandteilen ist nach wie vor ungebrochen. Von daher wäre es absolut nicht verwunderlich, wenn der Bahnaufsichtsrat auf eine solche Idee käme. Werden doch die Verspätung immer wieder von den Kunden heftig kritisiert.

Freitag, 11. Dezember 2015

Suchen Sie noch ein kleines Mitbringsel....

.....für den Adventskaffee - oder als Weihnachtsgeschenk?

Erhältich direkt bei www.epubli.de oder beim Buchhandel.


Dienstag, 8. Dezember 2015

Was können Manager von Meterologen lernen?

Wie das Wetter an Weihnachten wird, können selbst die Fachleute trotz modernster Prognosetechnik nicht vorhersagen - zumindest nicht längerfristig. Sie geben das auch offen zu, weil sie wissen, dass sie beim Wetter mit eiem chaotischen System zu tun haben.
Manager ignorieren oft die chaotischen Elemente in ihrem Aktionsumfeld, tun aber so, als könnten sie die Entwicklung mit Strategien, Planungen und Prognosen beeinflussen. Dabei lernen sie nicht, wie man bei unvorhergesehenen Ereignissen professionell improvisiert.
Vielleicht sollte sich mancher einen Wetterfrosch auf den Schreibtisch stellen, um sich an die Grenzen seiner Planungen zu erinnern.