Auch Führungsarbeit wird "digitalisiert"
Wenn man darüber nachdenkt, welche Jobs zukünftig durch neue Technologien überflüssig werden, muss man auch die Arbeit von Führungskräften miteinbeziehen - zumindest in gewissen Branchen. Schon heute wird die Arbeit von Paketboten oder sonstigen Kurieren, die irgendetwas ausliefern durch Apps gesteuert. Eine App verteilt die Aufträge, berechnet und gibt die Routen vor, misst die Zeit und weiß immer genau, wo der Fahrer sich befindet.
Dass diese Überwachung von den Betroffenen nicht unbedingt als angenehm empfunden wird, ist nachvollziehbar. Sie sehen sich einem permanenten Leistungsdruck durch ständige Kontrolle ihres Arbeitstempos ausgesetzt und haben oft noch nicht einmal die Chance mit einem leibhaftigen Vorgesetzten zu kommunizieren. Sie haben lediglich das Smartphone als Gegenüber.
Damit nimmt ein Trend kräftig Fahrt auf, der sich allerdings schon lange abzeichnet: die Entpersonalisierung der Führung. Führung war und ist schon immer ein schwieriges Geschäft. Und viele sogenannte Führungskräfte tun sich damit schwer oder sind gar nicht für diesen Job geeignet. Unter anderem deshalb gibt es schon lange Instrumente, die die "Vorgesetzten" bei ihrer Arbeit entlasten sollen: Zielvereinbarungs- und Beurteilungssysteme, um zwei der prominentesten zu nennen. Diese Instrumente haben sich zu Führungskrücken entwickelt, die dazu beigetragen, dass die entsprechenden Fähigkeiten bei den Chefinnen und Chefs verkümmern. Die Folge, diese Tools sind heute aus dem Alltag oft nicht mehr wegzudenken und werden nicht mehr hinterfragt. Sie werden optimiert, anstatt die Führungskompetenzen auszubilden. Die Perspektiven, die die technologische Entwicklung nun anbietet, werden allzu gerne in Anspruch genommen.
In manchen Bereichen scheint das Ziel also schon erreicht: technische Systeme übernehmen Führungsarbeit. Führungskräfte können wegrationalisiert werden.
Spätestens jetzt sollten all die aufwachen, die noch von "Purpose" und "New Work" reden und sich Gedanken darüber machen, wie wertschätzende Arbeitsbedingungen heute aussehen müssen. Dazu muss man keineswegs die technologische Entwicklung verurteilen. Beide, wertschätzende Führung und moderne Technik, lassen sich durchaus vereinbaren. Die aktuelle Entwicklung erfordert dies geradezu. Wenn es beispielsweise nicht gelingt, in den o.a. Beispieljobs bessere Arbeitsbedingungen zu realisieren, wird diese Arbeit kaum mehr jemand machen wollen.
Mehr dazu in: Armin Zisgen, Rettet die Führung, 248 S. - Als Print- oder E-Book erhältlich überall, wo es Bücher gibt.
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