Montag, 22. August 2016

Teambuilding

Überschätzte Methoden

Warum soll eigentlich eine EDV-Abteilung oder eine Entgeltabrechnung oder eine Produktionsplanung ein Team werden? Wenn sie die jeweiligen Leiter fragen, was sie sich unter einem Team vorstellen, werden sie wahrscheinlich drei ebenso unterschiedliche wie unpräzise Antworten bekommen. Wenn sie die drei aber fragen, ob sie an einer teambildenden Maßnahme für ihre Einheiten interessierte wären, würden sie mit ebenso hoher Wahrscheinlichkeit mindestens zwei zustimmende Antworten bekommen. Ob Klettergarten oder Rafting, Segeln oder einwöchiges Überleben auf einer einsamen Berghütte ohne zivilistorische Annehmlichkeiten, das Angebot an Events mit zusammengehörigkeitsfördernder Zielsetzung ist fast unübersehbar.
Dazu gehört natürlich die coachende Begleitung durch Menschen mit oft rätselhaft klingenden Zertifikaten. Sind die "Teams" dann von der Maßnahme zurück, bestätigen die Chefs selbstverständlich, dass sie schon gute Fortschritte in der Zusammengehörigkeit der Abteilung feststellen. Die Mitarbeiter selbst sind zuweilen nicht so begeistert und eher froh, dass es vorbei ist und sie wieder ihrer normalen Arbeit nachgehen können. Ob aber das tatsächliche Leistungsergebnis der Abteilung dadurch besser geworden ist, wird nicht gefragt, beziehungsweise läßt sich eh schwer feststellen. Insofern ist die Wirkung von teambildenden Maßnahmen eher eine Glaubensangelegenheit. In einem Artikel über die Arbeit dreier Trainer von Mannschaftssportarten, die mit ihren Teams an den Olympischen Spielen teilnehmen, bestätigen zwar alle drei, dass sie Teambuilding durchführen, betonen aber, dass das keinesfalls ausreicht, um ein "Team" entstehen zu lassen. Dabei kommt es bei einer Mannschaftssportart, anders als bei Büro- oder Fabrikarbeit, wesentlich auf die Koordination  körperlicher Aktivität an. Das Aufeinander-angewiesen-sein, noch dazu in einer begrenzten Zeit, ist deutlich ausgeprägter.
Am kritischsten muss die Transferwirkung der Erlebnisse während des Teambuildings in die Realität des betrieblichen Alltags hinterfragt werden. Was nützt die Erfahrung, im Klettergarten am Seil aufgefangen zu werden, wenn zwei Tage später ein Teil der Kollegen umd die Gunst des Chefs buhlt, weil es um eine Beförderung geht?
Wenn es bei der Zusammenarbeit hapert, ist in erster Linie der Vorgesetzte gefragt. Was kann er durch seine Führungsarbeit zur Verbesserung beitragen? Wenn es beispielsweise an konsequenter Kommunikation fehlt, nützt auch die gemeinsame Bergtour nicht viel.
Wohl gemerkt, das spricht nicht gegen gemeinsame Aktivitäten in einer Abteilung. Aber Teambuilding als Social Engineering ist meist Ressourcenverschwendung.