Mittwoch, 9. Oktober 2013

Führen mit Symbolen

Unlängst las ich in einem Zitat über Papst Franziskus, dass mit einer der Gründe für seinen Erfolg und seine Popularität sei, dass er es verstehe mit Symbolen zu führen. In der Tat, die Aktentasche, die er bei seiner Auslandsreise selbst trug, hat in den Medien große Aufmerksamkeit gefunden, obwohl das gewiss kein großes Symbol darstellt. Nun spielen Symbole in einer kirchlichen Organisation sowieso eine besondere Rolle. Aber auch in einem profanen Industrieunternehmen sollte die Wirkung von Symbolen nicht unterschätzt werden. Das fängt bei den nach Rang in der Hierarchie abgestuften PS-Klassen der Dienstwagen an, geht über reservierte Parkplätze - möglichst noch mit dem individuellen Kennzeichen markiert - bis hin zu den besonderen Casino in Großunternehmen für obere Führungskräfte. Symbolcharakter hat aber auch die vielbeschworene offene Tür von Führungskräften, die dann doch oft nicht in ihrem Büro zu finden sind. Im Symbolranking hoch eingeschätzt wird auch, wenn ein Hierarch, am besten der CEO selbst, durch die Fabrik läuft und sich leutselig mit den Werkern unterhält. So weit muss man aber nicht gehen. Kommt der Chef zum Geburtstag an den Arbeitsplatz des Mitarbeiters und gratuliert ihm oder ruft er nur an oder schickt eine mail? Wenn ja, kommt er zu jedem oder macht er das nur selektiv? Was natürlich nicht besonders geschickt wäre. Die Reihe der Beispiele ließe sich beliebig fortsetzen. Man denke nur an die Nutzung von modernem elektronischem Gerät. Wer hat das neueste Smart-Phone? Einen hohen Symbolcharakter hat auch Sprache: "Meine Sekretärin..." "Ich habe den Bereich zum Erfolg geführt...." Schnell wird deutlich, dass viele Führungshandlungen Symbolcharakter haben, ob gewollt oder nicht. Viele Führungskräfte sind gerade auf diesem Gebiet unbeholfen und unsensibel. Symbolik im Unternehmen ist eng verbunden mit Status. Nicht umsonst spricht man von Statussymbolen. Viele Führungskräfte legen Wert darauf, dass ihr Status im Unternehmen sichtbar wird, beachten dabei aber nicht die Nebenfolgen. Wenn der Produktionsleiter auf der mittleren Führungsebene sich auch einen individuell gekennzeichneten Parkplatz zulegt oder grundsätzlich nicht mehr selbst ans Telefon geht sondern das durch die Abteilungssekretärin erledigen läßt, dann kann das bei manchen Mitarbeitern eher lächerlich wirken als Eindruck zu machen. Dabei kann man sich die Bedeutung von Symbolen auch geschickt zu Nutze machen. Insbesondere wenn man die Souveränität hat auch mal zu verzichten. Das kommt in der Regel bei der Belegschaft gut an. Siehe das Beispiel der Aktentasche von Papst Franziskus.