Donnerstag, 28. Februar 2013

Wohlfühlen am Arbeitplatz - Fortsetzung aus aktuellem Grund

SAP hat - im Beisein von Ministerin von der Leyen - ein neues Bürokonzept vorgestellt. "Office Space for Teams" oder trendig abgekürzt "OS4T" nennt sich das Projekt. Die klassische Bürostruktur wurde abgeschafft, stattdessen "kann sich jeder Mitarbeiter täglich den Platz suchen", den er für die geplanten Aufgaben braucht (Mannheimer Morgen, 27.2.). Vom Konferenzraum über die schallgeschützte Ecke für das private Telefonat bis zum Zweierplatz fürs Paarprogrammieren wird für jede Aufgabe das passende Ambiente angeboten. Ergänzt wird das Ganze durch Wohnzimmer mit Bibliothek, Kaffebar, Billard- und Kickerraum. Um es gleich vorweg zu sagen: ich möchte hier nicht über moderne Bürogestaltung lästern. Es ist begrüßenswert, dass sich Unternehmen darüber Gedanken machen und dabei offensichtlich auch die Mitarbeiter einbeziehen, wie bei SAP geschehen.

Gewiß, SAP lebt unter anderem davon elektronische Workflows zu konzipieren und zu verkaufen. Da muss es auch mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn die Workflows funktionieren, werden die Mitarbeiter automatisch mit Aufgaben versorgt und auch deren Abarbeitung wird digital gesteuert und die Ergebnisse nachgefragt. Da kann  - oder muss ? - die Umgebung ruhig Wohlfühlatmosphäre vemitteln ohne dass man Angst haben muss die Mitarbeiter werden allzu sehr abgelenkt.
Doch was bedeutet eine derartig angenehme Arbeitsumgebung für die Trennung von Arbeit und Privatleben?
Wenn immer mehr Element aus dieser Privatspähre - Entspannung beispielsweise - in die Arbeitssituation integriert werden? Wenn ich schon am Arbeitsplatz ein Wohnzimmer habe, kann ich auch länger bei der Arbeit bleiben, könnte man boshafterweise denken.
Was bedeutet diese Entwicklung für die Mitarbeiterführung? Ich habe hier schonmal das neue Bürogebäude von Red Bull erwähnt - ein ähnliches Konzept. Äußere Regeln und Zwänge fallen weg, der Vorgesetzte kann sich auf die Kontrolle der Abweichungen der Key Figures beschränken. Die Mitarbeiter können machen, was sie wollen, solange sie ihre Ziele erreichen. So könnte das Szenario für die Zukunft aussehen.
Doch da schreckt uns Yahoo aus dem Traum auf. Dessen Chefin - selbst vorbildhaft schon zwei Wochen nach der Geburt ihre Kindes wieder an die Arbeit zurückgekehrt -  verordnet ihrer Mannschaft, dass zukünftig wieder im Büro gearbeitet wird und nicht im Home Office. Geschwindigkeit und Qualität seien besser als zu Hause begründet sie ihre Anordnung. Ausgerechnet Yahoo, wundern wir uns. Ich weiss nicht, wie die Büros von Yahoo gestaltet sind aber immerhin bekommen die Mitarbeiter jetzt das Mittagessen kostenlos, um die Motivation zu erhöhen.
Fast fühlt man sich an die Frühzeit der Industrialisierung zurückerinnert. Die Mitarbeiter werden in Büros und Fabriken zusammengefaßt und bekommen ein kostenloses Mitagessen. Ist das jetzt rückschrittlich oder schon wieder modern? In den Produktionen hat man sich auch wieder von der Gruppenarbeit verabschiedet und den Taylorismus modernisiert. Sind nun die Büros dran? Traut man den Mitarbeitern doch nicht so ganz,
trotz Workflow?