Mittwoch, 24. Juni 2015

Erleichtern neue Technologien das Leben?

Einige rückwärtsgewandte Gedanken zu Jobbörsen.

In den letzten Tagen habe ich mal wieder des öfteren in Jobbörsen gesucht. Wenn ich bei Stepstone nur den Filter "Angebot der letzten 24 Stunden" und eine bestimmte Region setze, erhalte ich mehrer hundert Angebote. Und das ist nur eine von mittlerweile etlichen Jobbörsen. Wenn ich als Bewerber breiter aufgestellt bin, kann ich die Filter nicht so eng setzen und muss in mehreren Bereichen suchen. Und das eigentlich täglich. Natürlich erleichtern mir die Börsen die Arbeit und schicken mir Mails mit passenden Angeboten - aber dann muss der Filter wieder passen. Suche ich beispielsweise unter dem Stichwort Social Media, werden mir durchaus passende Angebote angezeigt, aber auch ein Sammelsurium von Stellen, die nicht unbedingt in diese Kategorie passen.
Da ich ja früher einmal Soziologie studiert habe, gebe ich ganz gerne mal dieses Stichwort ein. Wenn überhaupt Jobs angezeigt werden, dann sind es meist solche aus dem Bereich der Sozialarbeit, was zunächst mit Soziologie wenig zu tun hat. Möglicherweise bekomme ich auch noch Angebote aus dem Bildungsbereich oder der Kommunikation. Immerhin scheint der Algorithmus sich Gedanken zu machen, wie er mir helfen kann. Ob es allerdings dem Philosophen hilft, wenn er ein Angebot als Lagerarbeiter bekommt, sei dahingestellt. In dem Angebot war der Satz formuliert: "In unserem Unternehmen herrscht die Philosophie...." Fazit: Die Suche über Jobbörsen ist durchaus mühevoll.
Mir kam die Erinnerung an meine eigene Jobsuche. Gespannt wartete man auf die Samstagsausgaben von FAZ, SZ oder WELT mit meist voluminösen Stellenteilen. Dazu noch den Stellenteil der relevanten Regionalzeitung - und man hatte das Stellenangebot im Blick. Insofern fällt es mir schwer, die Frage nach der Erleichterung mit einem kräftigen Ja zu beantworten.
Wie sieht es denn mit dem Wegfall der Papierbewerbung aus? In der Tat ist das Papier weitgehend weggefallen. Aber sonst sehe ich auf diesem Feld wenig Innovatives. Selbst die Firmen, die Online-Bewerbungsportale haben, verlangen nach wie vor die klassischen Drei: Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse. Und vielen dieser Portale merkt man an, dass Personalmarketing doch etwas ist, was nicht jeder kann. Das trifft auch auf die Auftritte in den Jobbörsen zu: die klassische Stellenanzeige hat sich nicht weiterentwickelt - sie wird nur elektronisch veröffentlicht.
Wo sind sie denn, die Heerscharen von Personalmarketingexperten, die seit Jahren mit ihren Sprüchen in den sogenannten Fachmedien die Revolution auf den Bewerbermärkten herbeischwadronieren? Auf dem realen Arbeitsmarkt scheinen sie bisher nicht angekommen zu sein. Selbst wenn Unternehmen mittlerweile auf vielen Kanälen präsent sind, von Facebook bis YotuTube, den Bewerbern scheint es ähnlich zu gehen wie mir. Das Überangebot schreckt eher ab, ermüdet, als dass es zur Bewerbung motiviert. Wenn sie es sich leisten können, lassen sie sich kontaktieren. Bestenfalls wird ein Profil auf Xing gestellt und man wartet ab, bis sich jemand meldet.
Aus der Bewerberperspektive kann ich wenig Erleichterndes an den Instrumenten des neuen Personalmarketings erkennen. Es bleibt schwer, den richtigen Job zu finden.