Freitag, 6. Februar 2015

Leistungsabhängige Bezahlung ist meist Fehlleistung

Leistungsabhängige Vergütung ist, wie immer sie gestrickt ist, problematisch. Davon kann der Softwarekonzern SAP ein Lied singen. Wenn ich der Berichterstattung in unserer regionalen Zeitung folge, laboriert man dort seit über zwei Jahren an einer geeigneten Form von variabler und leistungsbezogener Bezahlung herum. In den letzten zwei Jahren wurden bei SAP mehrfach Bonuspläne geändert, zunächst auf Initiative des Unternehmens, weil die Zahlungen aus dem Ruder gelaufen waren und auch in weniger guten Jarhen fette Boni angefallen waren - ein durchaus üblicher Effekt - ,dann wieder nach heftiger Kritik aus der Belegschaft, der die Veränderungen zu weit gingen.
Nun will man offenbar wieder etwas Anderes probieren. (Mannheim Morgen, 4.2., s. auch meine Posts von 2 u. 10/13 dazu) Bisher wurden die Mitarbeiter nach einem fünfstufigen Bewertungssystem beurteilt, wie vielfach üblich von "Erwartungen gar nicht erfüllt" bis "Erwartungen übertroffen". Je nach Note fallen dann die Gehaltserhöhung und die Bonuszahlung aus. Nach Kritik hat man den Mitarbeitern angeboten alternativ dazu ihren Bonus an das Unternehmensergebnis zu koppeln. Wie zu erwarten haben 95% der Beschäftigten davon Gebrauch gemacht. Die Gehaltserhöhungen sind allerdings immer noch an dem Schulnotensystem orientiert. Das heißt, es gibt eine Sockelerhöhung, die für alle gleich ist und eine weitere Erhöhung, deren Volumen abhängig ist von der Beurteilung. In diesem Jahr beträgt die Sockelerhöhung beispielsweise 1%, 2% kann es je nach individueller Beurteilung mehr geben. Leider geht aus dem Artikel nicht hervor, wie hoch die tatsächliche Erhöhung im Schnitt ausgefallen ist. Es gehört nicht viel Phantasie dazu zu schätzen, dass der nahe an die 3% reichen wird. Der Trend zur positiven Beurteilung wird gerade bei einem derartigen System sehr stark greifen. Nun will der Betriebsrat das Schulnotensystem gänzlich abschaffen und mehr die Personalentwicklung in den Vordergrund stellen - was immer das heißt. Abgesehen davon, dass es zusätzlich problematisch ist derartige Systeme sozusagen dauernd auf die Probe zu stellen und daran herumzubasteln, kann man den Betriebsrat in seiner Initiative nur unterstützen. Aber warum lernt er dann nicht aus den Erfahrungen der Vergangenheit und setzt sich für eine variable Vergütung ein, die ausschließlich am Unternehmensergebnis orientiert ist? Darauf müssen letztendlich alle Aktivitäten und alles Engagement ausgerichtet sein. Das ist transparent und kann von jedem nachvollzogen werden - vorausgesetzt man erweckt nicht den Eindruck das Ergebnis wird "kosmetisch" bearbeitet, um den Bonus zu senken. Es ist in jedem Fall objektiver als die Beurteilung eines Vorgesetzten. Auch wenn diese in ein noch so ausgeklügeltes System eingebaut ist, sie bleibt subjektiv. Was ist dann mit der Leistung der Mitarbeiter? kommt nun der Aufschrei. Die Leistung der Mitarbeiter zu fördern und gegebenenfalls auch zu fordern und sie effizient und effektiv einzusetzen ist die ureigene Aufgabe der Führungskräfte. Die kann und sollte man nicht Systeme delegieren.