Montag, 16. November 2015

Wir schaffen das II

Kann man immer alles planen? Kann man alle - oder zumindest die meisten - Eventualitäten voraussehen und bei der Planung berücksichtigen? Man kann und sollte es versuchen, aber man muss sich auch darüber im Klaren sein, dass es oft genug nicht funktioniert. Dann muss man professionell improvisieren können und "machen". Das hatte ich versucht in einem meiner letzten Posts am Beispiel von Frau Merkels provozierendem Slogan zu verdeutlichen. Ein weniger spektakuläres Beispiel als die Flüchtlingssituation, dafür aber aus dem betrieblichen Alltag, ist mir vor einigen Tagen begegnet: das Home Office.
Eine Mitarbeiterin reicht einen Verbesserungsvorschlag ein, der die Einführung der Arbeit im Home Office zum Ziel hat. Am Beispiel ihrer eigenen Tätigkeit schildert sie, wie einfach das zu realisieren sei. Der Betriebsrat nimmt sich des Themas sofort an und macht daraus eine Forderung. Der Personalchef ärgert sich zwar etwas, dass er nicht selbst mit der Idee rausgekommen ist, unterstützt aber den Vorschlag und initiiert ein kleines Projektteam gemeinsam mit dem Betriebsrat. Das Ergebnis, das natürlich die Einführung empfahl, stellt er den Kollegen im Führungskreis des Unternehmens vor. Das anwesende Vorstandsmitglied reagierte aus die bekannte Weise: Das sei ja eine gute Idee, aber müsse man nicht zuerst..... Wie nicht anderes zu erwarten, meldeten sich sofort einige von denen, die sich immer gleich der Meinung des Herrn Direktors anschließen mit ihren Bedenken. Ist der Datenschutz gewährleistet? Wie sieht es mit der Arbeitssicherheit aus? Und natürlich: Wie kann man kontrollieren, ob tatsächlich was gearbeitet wird? Es gab auch zwei aufgeschlossene Unterstützer der Idee, aber die halfen auch nicht mehr viel weiter. Der Personalchef wurde beauftragt, die vorgetragenen Argumente nochmal in die Projektgruppe zu geben und mit den zuständigen Fachstellen des Unternehmens zu überprüfen.
Das bedeutet zunächst einmal lange Bank. Die Umsetzung einer guten Idee verzögert sich, möglicherweise wird sie ganz zerredet.
Was hätte der arme Personaler anders machen können? Er hätte beispielsweise mit dem Chef der Vorschlagseinreicherin reden können, ob er die Einschätzung seiner Mitarbeiterin teilt. Vielleicht wäre der ja schon aufgeschlossen genug gewesen, mal einen Versuch zu starten. Mit der klaren Ansage an die Mitarbeiterin, dass das zunächst nur ein zeitlich begrenzter Versuch sei und das auch im Home Office Anforderungen an Datenschutz, Arbeitssicherheit usw. gelten und vor allem, dass auch die dort erledigte Arbeit genauso sorgfältig und termingerecht abzuliefern sei. Dann hätte man gemeinsam an diesem Beispiel lernen können. Sehr wahrscheinlich hätten sich schnell einige andere Interessenten gefunden und man hätte das Pilotprojekt ausdehnen können. Und sehr wahrscheinlich wären die Beispiele auch gut verlaufen. Dann hätte unser Personalchef in seinen Führungkreis gehen und die Bedenken mit den Erfahrungen aus den Beispielen widerlegen können.
Planung ist sinnvoll und gut - aber manchmal ist "machen" einfach besser.