Mittwoch, 27. November 2013

Unternehmenskultur

Ein viel beschworenes Phänomen. Insbesondere in nach außen gerichteten Verlautbarungen nutzen Unternehmen gerne die Gelegenheit, die bei ihnen herrschende Kultur als positiv darzustellen. Wie man an der großen Zahl von Definitionsversuchen sieht, scheint es allerdings schwierig zu sein, genau zu beschreiben, was eigentlich darunter verstanden werden soll. Es ist auch müßig und beschränkt sich meist auf eine theoretische Übung, die für die Personalführung im Alltag kaum Nutzen bringt.
Trotzdem wird in Workshops immer wieder versucht "eine neue Unternehmenskultur zu erarbeiten". Diese wird dann mit wohlklingenden Schlagworten herbeidiskutiert: Wir wollen teamorientiert und kooperativ aber trotzdem hoch motiviert und leistungsorientiert arbeiten und die Interessen der Stakeholder in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen - und ganz wichtig: Wandel ist für uns Alltag.
Was dabei herauskommt ist eine "Wir-sind-alle-dafür-Kultur" in der diejenigen, die versuchen sich kritisch zu äußern, als die ewigen Bedenkenträger in die Ecke gestellt werden. Wer, um Gottes willen, kann denn schon etwas dagegen haben, die Interessen der Stakeholder in den Mittelpunkt zu stellen? Darüberhinaus vertrocknen die hehren Schlagworte in den Workshopprotokollen.
Es gibt in Organisationen natürlich eine Befindlichkeit, eine Stimmung, ein "Klima", das kann man Kultur nennen. Nur man kann die nicht künstlich erzeugen oder gar von oben diktieren. Wesentlich beeinflußt wird diese Befindlichkeit durch die Führungskräfte, durch ihren alltäglichen Umgang mit den Mitarbeitern und natürlich auch durch grundsätzliche Emtscheidungen der Unternehmensleitung. Die Entscheidung für ein bestimmtes Arbeitszeitsystem beispielsweise beeinflußt diese Kultur mehr wie eine "theoretische" Diskussion über Schlagworte oder Leitlinien in einem Workshop. Wie wird in einem Unternehmen mit Widerspruch umgegangen? Für mich eine ganz wichtige "Kulturfrage".
Gerade in einer Zeit zunehmender Individualisierung sollte man sich fragen, ob Träume von einer "einheitlichen" Firmenkultur, Motto: Wir sind alle eine Familie", noch zeitgemäß sind. Mehr denn je kommt es auf die individuelle Leistung jeder Führungskraft an.