Freitag, 30. Januar 2026

Luftnummer

 Eine Abschaffung des Rechts auf Teilzeit dürfte wenig bringen.

Warum wundern Politiker sich eigentlich, dass die BürgerInnen unzufrieden mit ihrer Arbeit sind, zunehmend mit Verdruß reagieren und an die politischen Ränder abtriften? 
Dass sie selbst das Problem sind, scheint offensichtlich vielen von ihnen nicht bewußt zu sein.
Ein schönes Beispiel liefert jetzt wieder die CDU Mittelstands- und Wirtschaftsunion mit ihrem Antrag das Recht auf Teilzeitarbeit abzuschaffen. Da wird mit der entsprechenden medialen Begleitmusik eine Idee in die Welt gesetzt, deren Umsetzung von vornherein unrealistisch ist.
Entsprechend fällt dann die Reaktion aus - mit noch größerem medialen Getöse. Sogar aus der eigenen Partei kommt Widerstand. 
Etwa 23% aller Teilzeitbeschaftigten arbeiten aus familiären Gründen, Kinderbetreuung oder Pflege, reduziert. Wieder andere machen eine Aus- oder Weiterbiludung und können deshalb nicht Vollzeit arbeiten. Es gibt also einen wesentlichen Teil der Beschäftigten, die zumindest temporär keine Möglichkeit haben ihr Arbeitsvolumen aufzustocken.
Im übrigen kann heute schon aus betrieblichen Gründen der Wunsch nach Teilzeit abgelehnt oder zumindest auf betriebliche Belange "zugeschnitten" werden.
Viel wichtiger aber ist, dass diese Aktion zu der aktuell besonders bei konervativen Politikern beliebten "Wir müssen mehr leisten" - Forderung wenig beitragen dürfte. Die Situation der deutschen Wirtschaft dürfte sich dadurch kaum nennenswert verbessern. Ganz abgesehen davon, dass schon auf Grund des Widerstandes aus allen Ecken, die Idee bald sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden dürfte. Was allerdings immer noch die bessere Alternative als ein öffentlich ausgetragener Streit auf diesem Nebenkriegsschauplatz sein dürfte.
Das Risiko besteht jedenfalls, dass die Bürgerinnen und Bürger wieder mit dem Finger auf "die da oben" zeigen und sich bestätigt sehen, dass "von denen doch nichts Vernünftiges kommt".