Montag, 30. Januar 2017

Führung 4.0 und ihr Dilemma


Wir beobachten zwei Entwicklungen. Die eine beinhaltet eine Standardisierung von Führung, gekennzeichnet durch das Bestreben die Leistungserbringung im Unternehmen möglichst weitgehend durch Kennziffern auszudrücken. Darüberhinaus nehmen elektronische Workflows zu, mit denen sogenannte Routinevorgänge standardisiert werden sollen. Im ersten Fall besteht die Gefahr, dass Führung auf die Kontrolle der Zielgrößen reduziert und damit weitgehend entpersonalisiert wird. Im zweiten Fall wird Führung gar nicht mehr persönlich erlebt. Sie ist in den Workflow eingearbeitet.
Die zweite Entwicklung ist geprägt durch zunehmende Komplexität, Unübersichtlichkeit, Kurzfristigkeit und damit deutlich verringerter Prognostizierbarkeit. Immer wieder müssen Situationen bewältigt werden, die so nicht geplant waren.
Beide Entwicklungen sind nicht miteinander kompatibel und bergen Konfliktpotenzial. Als Verbraucher merken wir das spätestens dann, wenn wir der Computerstimme einer Hotline vermitteln wollen, dass unser Anliegen nicht unter eine der vorgegebenen Kennziffern passt.
Dieses Dilemma zeigt deutlich, dass Führung - und zwar persönliche Führung - nicht reduziert oder standardisiert werden kann. Im Gegenteil, sie muss intensiviert werden. Die Managementtheoretiker haben das natürlich auch erkannt, kommen aber mit Rezepten, die mindestens zwanzig Jahre alt sind.
Da ist von Vertrauenskultur die Rede, davon, dass es nicht mehr reicht zu kontrollieren. Die Mitarbeiter wollen mitgenommen, überzeugt und in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Einigermaßen neu ist nur die immer wieder aufflammende Forderung nach mehr Demokratie im Unternehmen.
Mangelnde Originalität ist ja an sich nichts verwerfliches, zumal diese Gedanken ja richtig sind. Nur sollte man nicht so tun als seien das neue Konzepte. Führung 4.0 unterscheidet sich vielleicht von Führung 1.0, wenn man darunter autoritäre, direktive Führung verstehen will, aber kaum von Führung 3.0.
Die wesentlichen Elemente von wertschätzender Führung, Vertrauen, Verantwortung, Empathie, Konsequenz, Kompetenz und Entscheidungsfähigkeit, um nur einige zu nennen, sind unabhängig von der technologischen Entwicklung. Im Gegenteil, gerade unter den Bedingungen von Arbeit 4.0 wird klassische Führung mehr denn je gebraucht. Was nicht dagegen spricht technische Hilfsmittel zu nutzen.