Freitag, 23. September 2016

Unzufriedenheit der Mitarbeiter beeinflußt Krankenstand

Einer AOK-Umfrage zur Folge klagt ein knappes Drittel der befragten Beschäftigten aus Unternehmen mit problematischer Arbeitskultur über eigene gesundheitliche Beschwerden. Das, was die Mitarbeiter am "Betriebsklima" bemängeln, sind im übrigen die Klassiker: Es wird vermisst, dass der Chef "hinter einem steht". Es wird zu wenig gelobt und die Beschäftigten möchten mehr bei Entscheidungen einbezogen werden. Es ist gut, dass immer mal wieder die vollmundigen Trendprognosen, die eine bessere Arbeitswelt herbeireden wollen, auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. Auch die Digitalisierung wird nicht zur Behebung von Führungsdefiziten beitragen. Im Gegenteil besteht die Gefahr, dass diese eher durch Kennziffern und Workflows verschleiert werden.

Was ist nun mit den Auswirkungen von schlechtem Führungsverhalten auf die Gesundheit der Geführten? Es ist immer wieder bestätigt worden, dass es einen Zusammenhang geben kann zwischen dem Führungsverhalten des Vorgesetzten und dem Krankenstand seiner Abteilung. Die AOK-Umfrage liefert insofern keine neuen Erkenntnisse. Dennoch gibt es nach meiner Erfarung keinen Grund diesen Befund zu dramatisieren. Leider geben dieVeröffentlichungen zu der AOK -Umfrage keine präzise Auskunft darüber, wieviel das denn in Wirklichkeit sind "ein knappes Drittel der befragten Beschäftigten aus Unternehmen mit problematischer Arbeitskultur".Man kann aber davon ausgehen, dass keine Heerscharen von Arbeitnehmern krank sind, weil sie schlecht geführt werden. Womit ich hier nicht schlechte Führung verharmlosen will. Die, die dadurch krank werden, dürften eher die Spitze des Eisbergs darstellen. Viele "leiden" auch unter schlechten Chefs ohne dass sie tatsächlich schon krank sind. Man läßt sich aber möglicherweise schon mal eher bei einer Erkältung krank schreiben, wenn einem die Arbeit stinkt.
Beachten sollte man aber, dass der Krankenstand einer Abteilung nicht per se schon ein Hinweis auf schlechte Führung ist. Die Fehlzeitenquote ist eine Kennziffer, die sehr differenziert analysiert werden muss. Sie kann vielfältige Ursachen haben. Darum empfehle ich bei auffälligen Krankenständen - aber auch nur dann - mit der Krankenkasse, die im Betrieb am stärksten vertreten ist, einen Gesundheitsreport zu erstellen. Dan hat man eine objetive Grundlage auf der man weiterarbeiten kann.
Kritisches Verhalten von Führungskräften sollte allerdings schon vorher auffallen, nicht erst, wenn die Fehlzeiten steigen.