Freitag, 15. April 2016

Lernende Organisation?

Organisationen lernen schwerer wie ihre Mitglieder

Ein Unternehmen hat ein Kostensenkungsprogramm gestartet, mit Hilfe dessen zehn Prozent aller Personal-, Sach- und Materialkosten eingespart werden sollen. Eine anspruchsvolle Vorgabe. Das Programm ist auch durchaus berechtigt. Zwar ist das Unternehmen nicht in den roten Zahlen, aber die Gesamtentwicklung, auch bedingt durch nachteilige Veränderungen auf wichtigen Märkten, war in den letzten Jahren nicht positiv. Anstatt zu wachsen, stagnierten die Kennzahlen oder waren teilweise sogar rückläufig. Wahrlich Grund genug für eine kritische Bestandsaufnahme und entsprechende Reaktionen.

Nur, diese Situation ist für das Unternehmen absolut nicht neu. Die aktuelle Entwicklung auf einem wichtigen Markt ist nicht über Nacht schicksalhaft hereingebrochen sondern seit Jahren absehbar. Der entsprechende Geschäftsbereich ist schon seit Jahrzehnten nur teilweise profitabel und diskutiert ebenso lange über die Ausrichtung seines Produktprogramms. Würde man das zu diesem Programm in der Unternehmenszeitschrift erschienene Interview mit einem Vorstandmitglied neben die Interviews legen, die bei ähnlichen Programmen in der Vergangenheit von den damals zuständigen Vorständen gegeben wurden, würde man erstaunliche Parallelen feststellen. Eigentlich hätte die Redaktion kein neues Interview mehr führen müssen, sondern nur den Namen und die Fotos aktualisieren müssen. Selbstverständlich geht es, wie bei allen Aktionen vorher, nicht nur um Sparmaßnahmen sondern um ein ganzes Effizienzsteigerungsprogramm. Ich gehe davon aus, dass allein diese Vokabel bei vielen in der Belegschaft eher ein Schulterzucken als Motivation auslöst.
Dabei hat das Unternehmen viele Stärken wie eine anerkannte Produktqualität, Innovationspotenzial und nicht zuletzt sehr gut qualifizierte, kompetente und loyale Mitarbeiter mit denen es sich seit über hundert Jahren behauptet.
Warum gelingt es nicht, diese Stärken in zumindest längerfristigen Erfolg mit attraktiveren Ergebnissen umzusetzen? Natürlich kann man auch hier auf schwierige Marktsituationen hinweisen. Doch die dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass kein Effizienzsteigerungsprogramm in den letzten fünfundzwanzig Jahren entscheidende Schwächen beseitigen konnte: eine für ein Unternehmen dieser Größenordnung zu komplexe Organisation und ein ebensolches Produktprogramm. Auch wenn gerade auf dem letztgenannten Feld schon viel erreicht wurde, ist es nicht gelungen in beiden Problembereichen den gordischen Knoten zu zerschlagen. Trotz etlicher großer und kleinerer Organisationsprojekte wurde die wirkungsvoll und nachhaltig Komplexität reduzierende Organisationsstruktur noch nicht gefunden.
Woran liegt es, dass dieser Organisation der entscheidende Lernfortschritt bisher noch nicht gelungen ist? Lesen sie den Versuch Antworten zu finden im zweiten Teil.