Freitag, 19. Dezember 2014

Mindestlohn

Ab Januar kommt er nun, der Mindestlohn von 8,50 Euro. Und er "spaltet" immer noch "die Arbeitswelt der Region" wie unsere Regionalzeitung auf der Wirtschaftsseite titelte.
Wie ich hier immer wieder schreibe, bin ich kein Freund von überzogenen Regulierungen, insbesondere nicht von gesetzlichen. Alternativ zu einem gesetzlichen Mindestlohn würde ich auch eine verpflichtende tarifvertragliche Regelung bevorzugen. Die hätte zumindest den Vorteil, dass branchenbezogene Verhandlungspartner die jeweiligen Gegebenheiten berücksichtigen könnten.

Zum gesetzlichen Mindestlohn muss man jedoch auch sagen, dass diejenigen, die heute gegen ihn wettern zumindest teilweise selbst Schuld daran sind, dass es ihn nun gibt. Beispiel aus unserer oben erwähnten Tageszeitung: Eine Reinigungskraft hatte schon bisher den in der Branche geltenden Mindestlohn. Der wurde aber nur für maximal 4 Stunden am Tag bezahlt. Das Arbeitspensum, das sie zu bewältigen hatte, war aber deutlich höher. Die 1 - 1,5 Stunden Mehrarbeit, die täglich anfielen, wurden nicht bezahlt.
Das sind Praktiken, die sind nicht akzeptabel. Es ist überdies ein Hinweis darauf, dass der höchste Mindestlohn nichts nützt, wenn er nicht auch kontrolliert wird. Es ist schon sehr dreist, wenn Unternehmer auf diese Weise eine tarifvertragliche Regelung unterlaufen und auf die Angst ihrer Mitarbeiter vor dem Arbeitsplatzverlust bauen. Mit wertschätzender Führung hat das nichts zu tun.
Es aber auch etwas damit zu tun, dass die Kunden des Reinigungsunternehmens bei der Auftragsvergabe noch um den letzten Cent feilschen und die Arbeiten möglichst billig - noch nicht einmal preiswert - vergeben.
Damit wären wir bei den nächsten Beispielen. Eine Bäckereiverkäuferin arbeitet für 7 Euro in der Stunde. Der  Mindestlohn würde ihr ca. 250 Euro mehr im Momant bringen - ihrem Chef aber auch - Sozialabgaben hinzugerechnet - noch höhere Kosten. Ein Gastronom weist daraufhin, dass er auch über Entlassungen nachdenken muss, wenn er den Mindestlohn an seine Servicekräfte bezahlen muss.
Wenn manche Produkte und viele Diensteistungen nur deshalb billig angeboten werden können, wenn die, die sie erzeugen oder durchführen, schlecht bezahlt werden, ist etwas nicht in Ordnung. Da müssen auch wir als Verbraucher darüber nachdenken. An dieser Stelle sei allerdings auch ein Blick auf den Profit des Unternehmers erlaubt. Der ist durchaus legitim. Wer Kapital einsetzt und ein Risiko eingeht, kann auch eine Rendite dafür erwarten. Die Frage ist nur, ob diese Rendite und insbesondere ihre Optimierung auf Kosten der Beschäftigten und auch der Kunden erwirtschaftet wird.
Zweierlei ruft uns der Mindestlohn nochmals in Erinnerung: Geiz ist und war noch nie geil.
Und das Bild vom Markt auf dem alle Beteiligten in gleichberechtigtem Wettbewerb miteinander feilschen ist schlichte Romantik. Die, die den Markt beschwören, tragen leider manchmal auch sebst zu seiner Beschädigung bei.