Freitag, 29. August 2014

Wenn Work und Life dasselbe sind.....

.....dann brauchen wir keine Work-Life-Balance mehr. Vielleicht steht dieses Thema deshalb auf den To-Do-Listen in den Unternehmen soweit unten, weil die Beteiligten ahnen oder es auch bewußt anstreben, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr verschwimmen und man sich über die Trennung zwischen beiden Sphären keine Gedanken mehr machen muss. Gerade die immer wieder zitierten digitalen Pionierunternehmen - Google etc - tun ja alles, damit die Beschäftigten möglichst viel Zeit im Unternehmen verbringen und gestalten die Arbeitsumgebung vordergründig so angenehm wie möglich.

Gegen die Anstrengungen dieser Unternehmen muten die Bemühungen der Firmen - und auch die der Gewerkschaften - ein bißchen an, wie der Kampf der Weber gegen die Einführung mechanischer Webstühle am Anfang der Industrialisierung. Als erstes wird nach der Einführung von - gar gesetzlichen - Regelungen gerufen. Regelungen, insbsondere gesetzliche und auch tarifvertragliche, erzeugen Starrheit und bürokratischen Aufwand. Beides läuft der Entwicklungsdynamik moderner Technologien zuwider - und hält sie nicht auf. Die technologische Entwicklung verändert die Arbeitsweisen und die Arbeitsbedingungen. Heute noch brauchbare Strukturen sind plötzlich alt und neue setzen sich durch. Das ist schon seit der Erfindung der Dampfmaschine so. Regelungen sind nur dann notwendig, wenn tatsächlich Gefahren vermieden werden müssen. Die Frage, wann Überlastung zur Gefahr wird, ist allerdings sehr schwierig zu beantworten, da individuell ganz unterschiedlich begründet. Mehr oder minder pauschale Regelungen, auch wenn sie in detaillierten Texten daherkommen, helfen hier nicht. Wenn überhaupt, können betriebliche Vereinbarungen eine Möglichkeit sein, zumindest für eine Übergangszeit, bestimmte Verhaltensweisen einzuführen. Das Beispiel von Daimler mit der Einführung eins speziellen Abwesenheitsassistenten, um die Mailflut nach der Rückkehr aus dem Urlaub einzudämmen, ist für mich ein solches Beispiel. Aber auch das ist eine Führungskrücke. Und Krücken sollten eigentlich keine Dauereinrichtung sein. Jeder Mitarbeiter, nicht nur Fühungskräfte, kann selbst damit anfangen rücksichtsvoll mit der Zeit seiner Kollegen, Kunden und Chefs umzugehen und ihre Freizeitphasen nicht mit Anrufen oder mails zu stören.
Auch als Unternehmen stellt sich die Frage: Erfordert es unser Geschäft wirklich, dass die Mitarbeiter möglichst viel Zeit bei uns verbringen oder sind sie nicht sogar produktiver, wenn sie ausreichende Regenerationsphasen haben, in denen sie die Firma und ihre Arbeit wirklich vergessen können? Die Untersuchungen. die es dazu gibt, beantworten diese Frage eindeutig. Dann muss man daran gehen neue, flexible Strukturen zu schaffen, die zu den Technologien passen.