Mittwoch, 30. April 2014

Wie kann ich mit dem Chef über meine Unzufriedenheit reden?

Sind sie unzufrieden mit ihrer Arbeitssituation? Haben sie das Gefühl ihr Gehalt stimmt nicht? Fühlen sie sich überlastet oder unterfordert? Gibt es Probleme mit KollegInnen?
All das können Gründe sein sich am Arbeitsplatz nicht wohl zu fühlen. Sie können sich auch zu einer regelrechten Belastung auswachsen. Was tun? Natürlich ist es gut, wenn man sich darüber im privaten Umfeld austauschen kann - nur, das beseitigt die Ursachen nicht. Die innere Kündigung aussprechen? Wenn man manchen Umfragen glaubt, ist das für einen hohen Anteil von Beschäftigten offensichtlich ein Weg. Doch hilft es wirklich? Verschafft diese Reaktion wieder Wohlbefinden? Wenn man einen wesentlichen Teil seines Lebens - und das ist die Erwerbsarbeit für die meisten von uns für eine lange Zeitspanne - mit Gleichgültigkeit oder sogar Widerwillen bewältigen muss, kann das nicht gut sein.

Es gibt eine Alternative, die bei rechtzeitigem Gebrauch zumindest eine realistische Chance auf Hilfe verspricht. Leider wird sie aber nach meinem Eindruck zu wenig genutzt. Es geht um das offene Gespräch mit dem Chef über das Unbehagen. Der Chef ist der erste Ansprechpartner in einem derartigen Anliegen und er muss sich dem auch stellen. Ich weiss, das ist leichter gesagt als getan - und oft liegt das am Chef. Deswegen kann der erste Rat hier nur lauten: nur Mut. Ihr Chef muss ihnen zuhören. Das gehört zu seiner Aufgabe. Es gibt allerdings einige Punkte, die man beachten sollte.
Es dient dem Anliegen nicht, wenn man den Chef damit überfällt, z.B. beim Mittagessen in der Kantine, wenn auch noch andere mithören können. Oder auf dem Flur oder zwischen "Tür und Angel". Bitten sie um einen Termin, damit auch der Chef die Chance hat, sich die Zeit zu nehmen. Geben sie als Grund an, dass es um sie geht, um ein persönliches Anliegen. Bereiten sie sich auf das gespräch vor. Es ist eine heilsame Übung ein Blatt Papier zu nehmen und die Gründe aufzuschreiben, die einen bedrücken. Dabei kommt man selbst seiner Unzufriedenheit auch besser auf den Grund. Ist es wirklich das Geld oder ist es doch mehr das Verhalten der Kollegin, das einen stört? Sind es die unklaren Anweisungen oder die unfreundliche Art des Chefs oder kann es auch ein privates Problem sein, dass auf die Arbeit "abfärbt"? Bewerten sie das, was sie aufgeschrieben haben. Was ist für sie wichtig? Sie wirken nicht überzeugend, wenn sie sich über zwanzig Dinge gleichzeitig beklagen. Versuchen sie auch so präzise wie möglich zu begründen, was sie stört. Wenn sie mit ihrem Gehalt unzufrieden sind, ist es am besten, zwei, heute leicht verfügbare, Gehaltsvergleiche heranzuziehen als nur zu sagen "Ich verdiene zu wenig". Auch der Hinweis auf kontinuierliche, nicht abgegoltene Überstunden ist durchaus berechtigt. Was in der Regel nicht gut ankommt, ist der Hinweis, dass der Kollege für dieselbe Arbeit 200,- Euro mehr bekommt. Tauschen sie sich auch mit Personen ihres Vertrauens aus ihrem privaten Umfeld aus. Das gibt ihnen ein Gefühl der Sicherheit, ob sie mit ihrem Problem richtig liegen oder ob sie möglicherweise etwas überbewerten.
Besonders schwer fällt es nachvollziehbarerweise, wenn es um Kritik am Verhalten des Vorgesetzten selbst  geht. Aber auch davor sollten sie keine Scheu haben. Auch Chefs sind in der Regel keine Unmenschen und meistens für Feedback dankbar. Sie können davon ausgehen, dass ihr Chef noch weniger Rückmeldung über sein Verhalten bekommt, wie sie selbst, besonders von seinen eignen Mitarbeitern. Und wenn sie ihre Kritik verbindlich, sachlich und auch begründet artikulieren, wird er ihnen auch zuhören und sich damit auseinandersetzen. Vergessen sie aber auch nicht, ihm das Positive zu spiegeln, das es sicher auch gibt. Wenn sich allerdings nach dem dritten Gespräch an berechtigten Kritikpunkten noch nichts geändert hat, dann sollten sie sich vielleicht doch am Markt umschauen.