Montag, 28. April 2014

Mindest-Lohn

Was sagt die Entlohung über das Führungsverständnis eines Unternehmens aus?
Zwei Erlebnisse aus der vergangenen Woche zu diesem Thema: Ein Wirtschaftsleitartikel in der ZEIT über Dumpinglöhne bei Subunternehmern, die für die die Deutsche Post AG arbeiten. Ein Fernsehbericht über die Arbeitsbedingungen von Zimmerservice-Kräften, die ebenfalls von Subunternehmern in Hotels eingesetzt werden. Die Briefkastenleerer bei der Post kommen auf einen Stundenlohn von ca. 4,50 Euro. Weniger wie die Hälfte des tarifvertraglichen Lohnes, den ihre Kollegen bekommen, die bei der Post direkt angestellt sind. Ich möchte mich hier nicht an der politischen oder ökonomischen Diskussion über Mindestlöhne beteiligen. Angesichts derartiger Beispiele sollte sich aber niemand mehr wundern, dass es nicht nur die Diskussion gibt sondern bald auch gesetzliche Mindestlöhne geben wird.

Auf der Homepage der Deutschen Post lesen wir, dass das Unternehmen den Mitarbeitern mit "Offenheit, Vertrauen und Respekt" gegenübertritt. "Die Mitarbeiter stehen im Mittelpunkt". Man bekennt sich zu "nachhaltiger Personalarbeit". Wir wollen unterstellen, dass man das auch bei den eigenen Mitarbeitern versucht. Aber was ist von solchen Sprüchen zu halten, wenn man Aufträge zu solchen Konditionen ausschreibt, dass nur die Subunternehmer zum Zuge kommen, die solche Dumping-Löhne anbieten? Diese Tätigkeiten wurden früher von den Stammmitarbeitern erledigt. Sie wurden ausgelagert, weil das zu teuer war und es andere wesentlich billiger machen. Dabei wird versucht, die Sparschraube so weit wie möglich anzuziehen. Die Mitarbeiter stehen bei einem Dienstleistungsunternehmen immer im Mittelpunkt - in jedem Fall als Kostenfaktor. Was ist von Unternehmen und Unternehmern zu halten, deren Geschäftsmodell auf solch ausbeuterischen Arbeitsbedingungen beruht?
Die Beispiele, die an die Öffentlichkeit kommen, zeigen regelmäßig auch, dass mit der Niedrigentlohnung Arbeitsbedingungen einher gehen, die in keiner Weise nachhaltig sind und von Respekt den Beschäftigten gegenüber getragen. In diesen Arbeitsverhältnissen geht es oft ausgeprägt hierarchisch-autoritär zu. Nicht zuletzt bedingt dadurch, dass die Betroffenen auf die Jobs angewiesen sind und nicht den Mut haben sich zu wehren.
Diese prekären Arbeitsverhältnisse haben in den letzten Jahren zugenommen. Sie sind das Gegenbild zu den schönen, neuen Jobs in der Märchenwelt der Generation Y. Von daher teile ich die Alles-wird-besser-Euphorie bezogen auf die Arbeitswelt nicht. Die Rückfälle in ein überkommenes Führungsverständnis sind noch zu häufig.
Leider muss dann doch wieder zu gesetzlichen Regelungen gegriffen werden, wo den Marktteilnehmern Vernunft und Respekt voreinander fehlen. Von daher abschließend doch noch ein politisches Statement. Wenn schon Regelung, halte ich die verpflichtende Einführung von Tarifverträgen für sinnvoller, da in diesen nicht nur die Entlohnung sondern auch andere Arbeitsbedingungen geregelt werden. Außerdem können Branchengegebenheiten besser berücksichtigt werden.