Mittwoch, 26. Februar 2014

Das System Bayern München

Immer wieder wird im Fußball die Frage gestellt: Welche Wirkung hat der Trainer? Spielt die Mannschaft schlecht, wird der Trainer entlassen und manchmal wird es dann unter dem neuen Trainer sofort besser. Natürlich muss man die Frage bejahen. Wäre die Arbeit des Trainers wirkungslos, bräuchte man ihn nicht. Aber welches Gewicht hat seine Arbeit im Zusammenwirken der gesamten Organisation des Vereins?
Bayern München gibt dafür ein gutes Beispiel. Offensichtlich hat es einen hervorragenden Trainer - bisher nur ein Pflichtspiel verloren. Aber es hat auch hervorragende Spieler. Schließlich hat man auch unter dem vorherigen Trainer alle drei Titel gewonnen. Der Verein hat aber auch die wirtschaftliche Kraft, die teuersten Spieler vom Markt kaufen zu können. Diese wirtschaftliche Kraft kommt nicht von einem Großsponsor, der über Jahre immer wieder Geld in den Verein steckt sondern wurde über viele Jahre kontinuierlich erarbeitet. Es wird also sehr schnell deutlich, dass es für kontinuierlichen Erfolg mehr braucht als nur einen guten Trainer.
Das gesamte System muss stimmen. Dieser Aspekt läßt sich auch auf Unternehmen und andere Organisationen übertragen. Auch hier wird allzu gerne mal der Vorstandschef ausgewechselt im Glauben, dann wird es besser. Nur in einer größeren Organisation wirkt das noch weniger wie beim Fußball. Bis ein Unternehmenstanker reagiert muss man an vielen Hebeln drehen. Der gute Unternehmenschef erkennt den Systemcharakter und sieht wo es in diesem System hakt. Allerdings leben manche Führungskräfte noch in der Vorstellung die wesentliche Aufgabe eines Trainers bestehe im Schreien und Gestikulieren am Spielfeldrand. Dass das der wirkungsloseste Teil der Trainerarbeit ist sollten sich auch Führungskräfte in Nicht-Fußball-Organisationen bewußt machen.
Bevor nun - und gerade im Jahr der Fußballweltmeisterschaft - die allfälligen Analogien zwischen Unternehmensführung und Fußball wieder bemüht werden, darauf eine weitgehende Absage. Auf einer allgemeinen Ebene gilt natürlich für die Führungsarbeit eines Fußballtrainers ähnliches wie für die eines Vorgesetzten in einem Unternehmen. Ansonsten gibt es wesentliche Unterschiede. Die produktive Phase einer Fußballmannschaft konzentriert sich auf ein oder zwei Spiele in der Woche von zweimal fünfundvierzig Minuten Dauer auf einem abgegrenzten Spielfeld nach klaren Regeln unter der Kontrolle eines Schiedsrichters. Eine weitaus komplexitätsreduziertere Situation als die Aktivitäten eines Unternehmens auf seinen Märkten. Wohlgemerkt, ich spreche nur vom Fußball als solchem - nicht von der Führung eines gesamten Vereins. Dann gibt es noch einen weiteren Unterschied: ein Trainer hat eine Ersatzbank. er läßt nur die auflaufen, die er für fit hält. Ein sehr rigides Führungsinstrument, das es (Gott sei Dank) in Unternehmen nicht gibt.......