Mittwoch, 2. Oktober 2013

Können Manager von Orchestern und Bundeswehr lernen?

Die Frage kommt ihnen seltsam vor? Den Veranstaltern des UnternehmerForums der Deutschen Bank war sie offensichtlich interessant genug, um einen berühmten Dirigenten und einen General a.D. einzuladen, um sie über Führung in ihren Organisationen sprechen zu lassen. Der Mannheimer Morgen überschrieb dann seinen Artikel über die Veranstaltung (28.9.13) mit der oben gestellten Frage. Da ich selbst nicht bei der Veranstaltung war, weiß ich nicht, wie die beiden Referenten sie tatsächlich beantworten würden. Der Vergleich zwischen der Führung eines Orchesters und eines Unternehmens wird in der Tat immer wieder gerne zitiert. Nur, taugt er wirklich? Nach meiner Meinung: Nein. Ein Orchester ist schon von seiner Aufgabenstellung und seiner räumlich, zeitlichen Organisation her anders strukturiert als ein Orchester. Der Dirgent steht ja tatsächlich vorne vor den "Mitarbeitern" und "gibt den Takt" vor. Ein Orchester muss wesentlich autoritärer sein als eine Unternehmensorganisation. Wie wird der Dirigent so schön in dem Artikel zitiert: "Ein Dirigent muss es beherrschen, schonungslos und unerbittlich Kritik und Input zu geben." Schonungslos...unerbittlich? Soll man das für das Führungverhalten im Betrieb vom Orchester lernen? Der Dirigent will, dass die Musiker das einzustudierende Musikstück genau nach seiner Interpretation spielen. Ich glaube nicht, dass er mit dem Geiger darüber disktutieren will, wenn der das anders sieht. Jedes einzelne Orchestermitglied muss sich präzise dem Dirigat des "Chefs" unterordnen. Damit ich nicht falsch verstanden werde: ich kritisiere nicht die Führung in einem Orchester. Dort muss so geführt werden. In einem Unternehmen kann so nicht geführt werden. Auch ein Unternehmen ist keine antiautoritäre Einrichtung - siehe dazu meine Posts vom Januar 2013/Führung und Autorität - aber die Autorität muss anders umgesetzt werden.
Noch untauglicher ist der Vergleich mit der Armee. Auch wenn der General mit dem Satz zitiert wird: "Mit Befehl und Gehorsam kommt man nicht weit." Eine Armee funktioniert genau nach diesem Grundsatz. So sind in dem Artikel auch besonders die allgemeinen Eigenschaften genannt, die er von Führungskräften fordert: Glaubwürdigkeit, Entscheidungsfreude, Loyalität, Mut, Vertrauen. Die sollte allerdings jede Führungskraft mitbringen, egal in welcher Art von Organisation sie arbeitet.
Aber vielleicht ist es ja kein Zufall, dass das UnternehmerForum ausgerechnet einen Dirigenten und einen Offizier eingeladen hat. Autoritäres Verhalten in Form von Befehl und Gehorsam scheint immer noch eine verlockende Managementalternative zu sein.