Mittwoch, 18. September 2013

Rote Linie

In den vergangenen Wochen war sie in den Medien allgegenwärtig, die rote Linie von Präsident Obama. Der Weltöffentlichkeit wurde vorgeführt in welch problematische Lage einen rote Linien bringen können. Im Nachgang zu meinen letzten Posts zum Thema Alkohol passt es ganz gut über rote Linien in der Personalführung zu sprechen. In Führungssituationen in Unternehmen gibt es rote linien zu Hauf. Die Beurteilungsrunde muss bis zum 31.12. abgeschlossen sein, wer nicht, der......; das Budgets des Projektes darf....nicht überschreiten.....; das Projekt muss bis.... abgeschlossen sein....... Wieviele rote Linien schließlich werden in Zielvereinbarungen markiert?
Wieviele von diese roten Linien werden schlußendlich eingehalten? Meistens werden sie durchaus nicht ignoriert, im Gegenteil, zunächst werden sie noch oft und laut probagiert und bekräftigt. Je näher man ihr jedoch kommt, desto weniger findet sie Erwähnung und oft genug wird sie dann klammheimlich verschoben, was rückwirkend mit wohlfeilen Erklärungen begründet wird. (Von den roten Linien in allgegenwärtigen Großprojekten oder in der Politik will ich hier gar nicht reden.) Gewiß, es werden auch rote Linien eingehalten und Vorgaben konsequent verfolgt aber wenn wir in unserem täglichen Leben, nicht nur im Arbeitsleben, konsequent hinschauen, können wir schon den Eindruck haben, dass die postmoderne Beliebigkeit allzu viele Früchte trägt.
Wie soll man also mit roten Linien umgehen? Vor allem konsequent aber auch vorsichtig. Wenn man eine bestimmte Vorgaben ausdrücklich als rote Linie - oder ähnliche Metaphern - deklariert setzt man damit nicht nur die Adressaten der Vorgabe unter Druck sondern auch sich selbst (s. Obama). Ich muss mir also vorher überlegen, mit welcher Konsequenz statte ich eine Anordnung aus. Hänge ich sie hoch und mache jedem mit Nachdruck klar, dass sie um jeden Preis eingehalten werden muss, dann muss ich auch dafür sorgen, dass das geschieht. Und wenn nicht, muss es entsprechende Konsequenzen geben, die auch vorher bekannt sein müssen. Das bedeutet aber wiederum, dass ich mir vorher auch überlegen muss, welche Risiken es möglicherweise gibt, die die Umsetzung der Anordnung behindern könnten. Gerade bei Zielvereinbarungen wird das oft genug vernachlässigt. (Siehe dazu meine früheren Posts)
Gerade hier wird wieder einmal die Banalität vieler Führungsregeln deutlich: Konsequenz und damit auch Glaubwürdigkeit sind elementare Grundlagen von Führung - aber nicht jede Vorgabe muss als rote Linie deklariert werden.
Allerdings beim Thema Alkohol muss die rote Linie gelten, sowohl beim kollektiven wie auch beim individuellen Alkoholverbot (s. vorherige Posts).