Montag, 5. August 2013

Ein Lob den Leisen

Die ZEIT hat kürzlich in einem Artikel (Nr. 30) dankenswerterweise die Aufmerksamkeit auf die positiven Eigenschaften der Introvertrierten gelenkt. Leider ist es heute eher umgekehrt. Im Vorteil sind die Extrovertierten, die die aus sich herausgehen können, die sich darstellen können, die sich eloquent in Szene setzen können. Wir kennen sie alle, die Typen, die in jeder Bespechrung als Erste etwas zu sagen wissen, die gekonnt einen Diskussionsbeitrag liefern, der aber nichts anderes beinhaltet als die elegantere Zusammenfassung des Vorrednerbeitrages oder des Statements, was der Herr Direktor vorher vorgetragen hat. Der Introvertrierte sitzt dabei und ärgert sich über die Dümmlichkeit des Beitrages hat aber nicht den Mut dagegen zu halten. Nun reden keinesfalls alle Extrovertrierten dummes Zeug. Wo Extrovertiertheit mit Kompetenz, fachlicher und sozialer, zusammenfällt, ist es gerechtfertigt, wenn diese Person Aufmerksamkeit auf sich zieht. Nun weist der Artikel allerdings auf Studienergebnisse hin, die belegen, dass Extrovertierte weitaus weniger nachhaltigere Beiträge liefern, ihre Teams weniger voran bringen und auch nicht so detailfreudig sind. Introvertierte sind dagegen ausgezeichnete Zuhörer, können ihr Ego zurückstellen und denken erst nach, bevor sie etwas von sich geben. Dort, wo es darauf ankommt, möglichst schnell etwas zu liefern, sind allerdings immer die im Vorteil, die als Erste den Mund aufkriegen. Leider wird dabei zu wenig Wert auf Substanz gelegt, Hauptsache es hört sich gut an. Die Zurückhaltenden, die erstmal nachfragen oder überlegen, werden dann schnell in die Ecke der Bedenkenträger gestellt. Leider lassen sich immer wieder Führungskräfte und auch Rekrutierer von allzuviel Selbstdarstellung beeindrucken und haken zu wenig nach, um die Substanz zu überprüfen.
Nun kann man aber die Belegschaften nicht nur den beiden Polen Intros und Extros zuordnen. Dazwischen gibt es ja die große Zahl der "Normalos". Die, die ohne großes Aufheben ihren Job machen, tagein und tagaus. Die aber durchaus auch Potenziale haben, die vielleicht über das hinausgehen, was sie täglich routinemäßig machen, die sicher auch die ein oder andere Idee haben, wie man etwas besser machen könnte. Die aber nicht den Mut oder - schlimmer - nicht die Lust haben, diese von sich zu geben, weil der Chef sie nicht mal anspricht, sie fragt und sich für sie interessiert.