Mittwoch, 20. März 2013

Warum scheitern Projekte in Besprechungen?

Beobachten sie einmal genau die Gesprächskultur der Besprechungen, an denen sie teilnehmen. Oder sollte man besser von Schweigekultur anstatt von Gesprächskultur sprechen? Wie oft haben wir es alle schon erlebt, dass in Besprechungen, gerade in denen, in denen etwas entschieden werden soll, geschwiegen wird und zwar an den "entscheidenden" Stellen? Ganz besonders, wenn der ranghöchste Teilnehmer schon ein Statement in die Welt gesetzt hat und dann eine "offene" Diskussion erwartet. Wenn der  - einer ist immer dabei - anwesende Opportunist, nach dem Statement des Hierarchen wie immer vorschnell, eingeleitet mit der Formulierung "Wir sind doch alle der Meinung, dass...." bereits seine Zustimmung zum Ausdruck bringt. Wer hat dann noch den Mut eine abweichende Meinung oder wenigstens eine kritische Frage zu stellen? Man kann sich z.B. die Situation am Flughafen Berlin vorstellen. Alle stehen unter Druck, der eine oder andere wird seinen Job aufgeben müssen - wird dort ein offenes Klima herrschen? Ganz abgesehen von den politischen Einflüssen und Rücksichten, die dort noch eine Rolle spielen.

Dann wird lieber geschwiegen. Bestenfalls geben einige Teilnehmer noch Unverbindliches von sich. Ansonsten hält man sich lieber zurück aus Angst von den anderen in die Ecke gestellt zu werden oder sich unbeliebt zu machen, ganz besonders in den Augen des Chefs. In sozialpsychologischen Untersuchungen hat man schon länger festgestellt, dass Gruppen zu riskanteren Entscheidungen neigen als Einzelne. Viele falsche Entscheidungen in Untenehmen und anderen Organisationen sind auf dieses Phänomen zurückzuführen.
Wenn sie also in einer Rolle sind, in der sie Entscheidungen herbeiführen müssen oder komplexere Fragestellungen mit mehreren Beteiligten klären müssen, schaffen sie dieses Klima der Offenheit. Das geht nicht per Anordnung "Ich erwarte eine offene Diskussion..." Das muss wachsen. Ihre Mitarbeiter müssen immer wieder bei den entsprechenden Gelegenheiten merken, dass sie das ernst meinen und dass sie auch bereit sind andere Meinungen zu hören und zu akzeptieren und auch anzuerkennen.
Passen sie aber auch auf die U-Boote auf. Es gibt mindestens zwei Varianten eines tückischen Schweigens.
Vertreter der ersten Variante sind die, die nichts sagen aber, sobald das Meeting vorbei ist, anfangen zu stänkern. "Das wird doch sowieso nichts.....; Das geht auch wieder vorbei....; Es hat ja doch keinen Sinn....
Nach außen hin schweigende Zustimmung, nach innen Passivität - keine gute Basis für ein erfogreiches Projekt. Schlimmer sind allerdings noch diejenigen, die zwar schweigen aber innerlich schon überlegen, welche Minen sie auslegen könnten, um das Projekt in eine andere Richtung oder ganz zum scheitern zu bringen. Je besser man es schafft Kontroversen offen zuzulassen und zu kanalisieren, deston geringer sind auch die Chancen der U-Boote.