Montag, 18. Februar 2013

Managementrezepte

Aktuell gibt es ja den Trend der Kochsendungen und Kochshows im Fernsehen. Berühmte Köche zaubern den Zuschauern die tollsten Gerichte auf den Bildschirm. Und was macht das Publikum? Strömt in die Supermärkte und kauft Lasagne mit Pferdefleisch. Etliche Köche mühen sich auch ab schon Kindern beizubringen was eine Ananas ist und wie ein normaler Apfel schmeckt. Eine grundlegende Veränderung der Ernährungsgewohnheiten hat all das bisher anscheinend nicht bewirkt. Das Gewicht der Bevölkerung, beginnend schon im Kindesalter, steigt an.
Die Analogie zu Managementrezepten drängt sich förmlich auf. Nur dass es auf diesem Gebiet kein Modetrend ist. Der Strom von Managementratgebern ergießt sich gleichmäßig seit Jahren in die Regale und mittlerweile in die E-Book-Reader. Was wurde nicht schon alles über Führung geschrieben - und dabei sehr viel Gutes, Sinnvolles und auch Nachahmenswertes. Nehmen sie als Beispiel mal Besprechungstechniken.
Eigentlich gehört ihre Beherrschung zum Basishandwerkszeug von Führungskräften. Doch wie sieht die Praxis aus? Genau wie in der Gastronomie. Auch hier gibt es Sterneküche und Schmuddelbetriebe, die von der Gewerbeaufsicht geschlossen werden müßten. In wievielen Besprechungen werden fleißig Laptops und Smartphones genutzt während sich vorne ein Referent abmüht oder einige wackere Teilenehmer die Diskussion am Leben halten? Und was macht der dabeisitzende Chef oder der für das Meeting Verantwortliche? Er läßt die Teilnemer gewähren - erst recht, wenn es möglicherweise ein Vorstandsmitglied ist. Der muss ja mit seiner knappen Zeit haushalten. Und die Teilnemerzahl? Müssen die alle dabei sein?
Kann jeder was zum Thema beitragen? Dann die Zeitdauer. Leider gibt es immer wieder Menschen, die einen Sachverhalt, den man in einem Satz rüberbringen kann, drei Sätze brauchen. Kein Moderator bremst sie. Wieviele unstrukturierte, zu umfangreiche und nicht lösungsorientierte Präsentationen gibt es?
Genug davon - auch darüber wurde schon tausendmal geschrieben. Nebenbei: auch damit fängt Belastung am Arbeitsplatz an.
Rezepte und Regeln gibt es genug. Deren Beachtung nimmt mit der Anzahl jedenfalls nicht zu. Andererseits verstummt aber auch nicht der Ruf vieler Führungskräfte und Mitarbeiter nach Regelung und Wegweisung.
Wo steht das? Haben wir im Unternehmen eine Regelung dazu? Wie oft habe ich diese Fragen gehört.
Beides - der Ruf nach Rezepten und Regeln wie auch deren anschließende Missachtung können Zeichen von Überforderung sein. Zeichen auch dafür, dass jemand Schwierigkeiten damit hat, eigenständig zu entscheiden zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem, zwischen Dringendem und Wichtigem und damit Verantwortung zu übernehmen.
Ich habe schon öfter den Begriff Führungskrücke gebraucht. Rezepte und Regeln können sinnvoll sein aber irgendwann werden sie überflüssig. Eine Führungskraft muss in der Lage sein ohne Krücken zu laufen. Oder glauben sie, man wird Sternekoch, wenn man nur nach Rezept kocht?

P.S.: Man stelle sich vor, es gäbe einen Management-Michelin, der Führungskräfte mit Sternen beurteilt. Was käme dabei raus?
Jetzt aber genug der Analogie.