Dienstag, 12. Februar 2013

Bonussysteme - Ein weiteres Beispiel für eine mißglückte Regelung

SAP ändert Bonusplan

In den letzten Tagen berichtete die regionale Tageszeitung (Mannheimer Morgen, 6.2.2013), dass der SAP-Vorstand nach vielfacher Kritik den Bonusplan ändern will. Der Bonus ist bei SAP von der Bewertung des Vorgesetzten abhängig und kann mehr als zehn Prozent des Jahresgehaltes ausmachen. In den letzten Jahren wurden im Schnitt wohl um die 130 % eines Monatsgehaltes erreicht. Selbst im Krisenjahr 2008 kamen überdurchschnittliche Boni zur Auszahlung. Dann hat die Unternehmensleitung eine Veränderung vorgenommen, mit dem Effekt, dass ausgerechntet für 2012, dem besten Jahr der Firmengeschichte, nur noch 100% gezahlt wurden. Dass das Ärger erzeugte, darf nicht verwundern. Genauso wenig darf auch die vorhergehende Entwicklung verwundern. Sie bestätigt nur, was bei vielen anderen Systemen dieser Art auch passiert. Wenn eine erfolgsabhängige Vergütung auf der Bewertung des Vorgesetzten beruht, dann gibt es, wie bei jedem Beurteilungssystem, immer einer Verschiebung in den positiven Bereich. Das wiederum hat zur Folge, dass sich die Entwicklung der Boni von der tatsächlichen Performance des Unternehmens abkoppelt. Parallel wird eine Erwartungshaltung der Beschäftigten nach weiteren Steigerungen erzeugt. Wenn man das dann einbremsen will, erzeugt man nur Demotivation. Das Gegenteil von dem, was eigentlich beabsichtigt war. Hinzu kommt, dass auch bei SAP die Kompliziertheit des Systems beklagt wurde. Man kann sich gut vorstellen, was da für ein Aufwand bei 65 000 Mitarbeitern betrieben wurde. Auch diese Erfahrung machen viele andere Firmen.
Bei einem solchen Beispiel drängt sich einmal mehr die Frage auf, warum dann so viele Unternehmen auf derartige Systeme und Regelungen schwören. Besonders bei einem Unternehmen wie SAP, dass mit seinen Produkten eigentlich Administration vereinfachen will. Der naive Glaube an die motivierende und leistungsfördernde Wirkung von erfolgsabhängiger Bezahlung erscheint unausrottbar. Die Verknüpfung von persönlicher Leistung, auf der Basis einer subjektiven Beurteilung, mit Vergütung wird nie zu einer "leistungsgerechten" Bezahlung führen.
Ich befürworte durchaus eine variable Vergütung, die am Unternehmenserfolg orientiert ist, auf Grundlage einer nachvollziehbaren Kennzahl. Das ist transparent und wird als gerecht empfunden. Alles andere gehört ins Museum für Mitarbeitermotivation.
Positiv am Beispiel SAP ist anzumerken, dass die kritische Diskussion der Bonusregelung offensichtlich in aller Offenheit und auch Öffentlichkeit geführt wird. Hoffentlich lernen auch andere von diesem Beispiel.